Kulturmarathon!

Sommerzeit – Reisezeit!

Quelle: Schröder, Karl Albrecht. Sternath, Maria Luise (Hrsg.): Albrecht Dürer. Wien 2003. S. 179. Kat.29recto.

Das dachte ich mir, wie so viele andere, bei diesem schönen Wetter. Es sollte keine große Reise sein, dafür fehlt mir die Zeit, aber mehrere kleine Touren: Zunächst die Dürer-Ausstellung in Nürnberg. In den Medien wurde eingehend über diese Ausstellung berichtet (vgl. dazu auch Streit um Kunstwerk spaltet Bayern), über die fränkisch-bayerischen Streitigkeiten, über den Besuchermagneten mit irrsinnig langen Wartezeiten – und nun? Wie war es? Die Wartezeit war recht lang, rund zwei Stunden warteten wir in der brütenden Hitze Nürnbergs und die teilweise verglaste Fassade des Germanischen Nationalmuseums lies die Zeit zudem noch langsamer vergehen. Nicht nur die Hitze beschäftigte uns Wartende: der Einlass war schlecht organisiert und führte zu großem Unmut, da die Entscheidungen der Kontrollere nicht plausibel erschienen. Im kühlen Gebäude angekommen, musste man feststellen, dass eine Warteschlange wohl nicht genug ist… In der Ausstellung an sich war es ein wenig leerer, aber vor den wirklich interessanten Bildern/Stichserien, wie etwa der Apokalypse oder dem ersten Selbstbildnis von 1483, herrschte großes Gedränge. Die Präsentation war schlussendlich gelungen, jedoch wäre es schön gewesen, mehr als eines der Selbstportraits Dürers zu sehen und die Haller-Madonna – immerhin auf den großen Plakaten und den Tickets abgebildet – nicht in einer kleinen Ecke zu zeigen.
Fazit: Für den recht hohen Preis von 8€ ist die Dürer-Ausstellung nicht das, was sie verspricht, immerhin ist sie die „größte Dürer-Ausstellung seit 40 Jahren in Deutschland“. Zudem ist fraglich, ob das Fehlen von tiefergehenden Erklärungen für einen Nicht-Kunsthistoriker nicht abschreckend ist. Für weitere Informationen siehe hier.

Einen Tag später ging es bei strömendem Regen in die Alte Pinakothek (AP) zu München. Gelassenheit pur, kann man da nur sagen: Schlange verhältnismäßig kurz, ruhige und v.a. freundliche Kontrolleure, klassisches Ausstellungskonzept.
Fazit: Wenn man erstklassige Gemälde Alter Meister sehen möchte, dann ist die AP immer eine gute Idee! Tipp am Rande: Nicht nur die Galerien im Obergeschoss ansehen, sondern auch die kleinen Kabinette im Erdgeschoss.

Die nächsten Tage meines Kulturmarathons waren eine Expedition ins bayerisch-österreichische Grenzgebiet: Die oberösterreichisch-bayerische Landesausstellung „Verbündet – Verfeindet – Verschwägert“ mit ihren drei Standorten Burghausen, Braunau/Ranshofen und Mattighofen stand neben Salzburg auf dem Plan. Die erste Station war Burghausen, wo die Beziehungen zwischen den beiden Ländern vom Herzogtum der Agilolfinger (auf bayerischer Seite) und dem Herzogtum der Babenberger (auf österreichischer Seite) über die Ostmark bis hin zu Margarete Maultasch aufgearbeitet wurde. Bemerkenswert an diesem Ausstellungsort ist die Lokalität: Dir Burghausener Burg ist die weltlängste und nicht längste Burg der Welt, wie man meinen sollte. Warum ich das erwähne? Weil ein findiger Geschäftsmann sich die Markenrechte an dem Ausdruck „längste Burg der Welt“ sicherte und es somit den Burghausenern verwehrt ist, damit zu werben. Einen kleinen Nachteil hat der Kilometer Länge, denn so lange ist sie: Bei großer Hitze erscheint der Weg bis zur eigentlichen Ausstellung sehr, sehr lang. Die Präsentation an sich ist stimmig; neben Fakten wird auf spielerische Art und Weise (Mehl mahlen, Fischen, Musizieren, Training für angehende Ritter) das Leben im Mittelalter erklärt, gleichzeitig aber auch der Bezug zum Hier und Jetzt geknüpft (Dialekte im Vergleich – selten so intensiv darüber nachgedacht, ob manche Dialektfärbungen wirklich zur „deutschen“ Sprache gehören!!).
Tag zwei der Expedition führte morgens in das ehemalige Stift Ranshofen. Das bayerische Haus der Geschichte wirbt verwirrenderweise mit Braunau, dem Geburtsort Hitlers. Dieser Teil der Landesausstellung beschäftigte sich v.a. mit der (ersten) Hochphase der Habsburger. Mit einem wahren Multimedia-Feurwerk wurden die vielen Kriege, Verflechtungen und Sitten erklärt, ohne aber jemals das rechte Maß zu verlieren. Daneben besticht die Ausstellung mit originellen und nicht ganz ernst zu nehmenden Comics, die Fließtexte teilweise ersetzen. Es bleibt die Erkenntnis, dass ich selten mit so viel Freude eine Ausstellung besucht habe und nebenbei so viel über Maria Theresia, Karl Theodor, den alten Fritz und Co. gelernt habe!
Am Nachmittag stand Salzburg auf dem Plan. Salzburg ist sicherlich nicht die günstigste Stadt, aber sie bietet, gerade während der Festspielzeit, ein nettes Schaulaufen von wichtigen und nicht ganz so wichtigen Personen… das schöne Panorama ist zudem immer kostenlos.
Am letzten Tag stand Schloss Mattighofen an. Nicht ganz so groß wie die beiden anderen Ausstellungen, jedoch nicht minder amüsant und interaktiv, bleibt hier auf jeden Fall die liebevolle Gestaltung und eine Wand in Erinnerung, auf der kurze Ausschnitte aus der Post von Soldaten während Napoleons Russlandfeldzug gezeigt wurden. Achja, Mattighofen setzt direkt dort an, wo Ranshofen aufhörte und endet thematisch 1814 mit dem Ende des Wiener Kongresses.
Fazit: Die Landesausstellung, noch bis 4.11.2012 geöffnet, ist eine überaus gelungene Ausstellung, die, besucht man alle drei Stadorte, zudem sehr günstig ist (zusammen 9€/Erwachsener, 7€/Ermäßigt). Nicht nur Kinder werden an der multimedialen Aufbereitung ihren Spaß haben, sondern auch Erwachsene, die sich nicht zu schade sind, selber auszuprobieren!

So, das war mein erster Kulturmarathon für diesen Sommer! Nächste Stationen sind Stuttgart und Köln.

Bis dahin und viele Grüße,

Eure/Ihre Allics

Ein Gedanke zu “Kulturmarathon!

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