Volksverblödung, 2. Teil

Hallo,

nachdem ich gestern kurzfristig meine Idee verwarf heute nun der versprochene Blogeintrag zum Thema Volksverblödung. Vor einiger Zeit lies ich mich bereits über schlechten Journalismus, sei es nun in Printmedien oder im TV (vgl. hierzu Sechs Gebote für besseren Journalismus), aus. Nun war ich gestern in einer mittelgroßen Stadt, wie es sie wohl zu hunderten in Deutschland gibt, unterwegs und kundschaftete die dortigen Bücherläden aus.

Die Feststellung, dass in einer Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern zwei Bücherläden und vier Gymnasien wenig sind, war ein erster kleiner Schock, der jedoch nicht verwundern sollte, bedenkt man die ausufernde Bedeutung von Amazon und Co. Der zweite Schock wurde durch die Auswahl und Gestaltung der Bücherläden hervorgerufen. Hieran möchte ich meine These der Volksverblödung zunächst aufzeigen.
Der eine Bücherladen, Teil einer Kette, war kein reiner Bücherladen, sondern vielmehr ein Konglomerat von Papeterie, Ram-, Spielwaren- und eben Bücherladen. Ging man in diesen hinein, so wurde man von Mängelexemplaren, Baumarke „Weltbild“, empfangen. Dahinter der obligatorische Haufen mit Spiegelbestsellern, der sich hauptsächlich aus den unsäglichen Shades of Grey, dem scheinbar unumgänglichen Simon Beckett, ein wenig Hera Lindt/Nora Roberts sowie etwas hochtrabenderer Literatur, wie bspw. Alex Capus, zusammensetzte. Nicht, dass das jetzt ein Einzelfall wäre. Egal, ob Stuttgart, München, Berlin oder Köln: die Buchauslage in Deutschland ist Schema F. Es liegen die üblichen Verdächtigen aus, die Spiegel und Amazon vorgeben und nebenbei bemerkt auch oftmals noch nahezu von identischen Covern gescmückt werden. In diesen Wochen eben die Shades of Grey, Ildikó von Kürthy, der neue Precht sowie jeder Menge George R. R. Martin. Das ist der erste Kritikpunkt. Der zweite, dass Bücher in einem Bücherladen wohl nichts selbstverständliches sind. Ein Bücherladen sollte kein Gemischtwarenladen sein, man hat am Beispiel Weltbild gesehen, wie das schiefgeht. Diese Läden sollten warm, einladend und v.a. voller Bücher sein (vgl. dazu Mrs. Minirobots Blog über Das Gefängnis der Bücher – lesenswert!).
Der andere Bücherladen von einem kleinen Einzelhändler betrieben war das Kontrastprogramm: hohe Bücherregale, individuelle Beratung durch Fachpersonal und nicht-Mainstream-Literatur. Ich möchte nicht verhehlen, dass es durchaus schwierig sein kann, sich in solche Bücherläden, die einen leicht angestaubten Eindruck hinterlassen, hineinzutrauen. Die Alternative sind jedoch konformistische Allerweltsbücherläden, wie sie die Bundesrepublik schon zur Genüge überschwemmen.

Mein Fazit: Wir, das Volk, lassen es zu, dass wir uns selbst entmündigen. Entmündigen durch die Algorithmen von Maschinen, durch die Bücherauswahl von bisweilen egozentrischen Journalistencliquen (nur ein kleiner Hint in Richtung des lächerlichen Feuilltonstreites zwischen FAZ und SZ), die uns erklären wollen, was gute Literatur ist, und durch uns selbst, weil wir nicht den Mut haben, neue Wege zu gehen, uns nicht aufraffen, Neues zu entdecken. Also auf!

Auf bald,

Ihre/Eure Allics

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s