Seligsprechung aus perfiden Motiven?

Ist Deutschland rechts? Wiederholt sich die deutsche Geschichte? Diese Fragen stellten sich mir, als ich in der Online-Ausgabe des Ciceros den Artikel „Seligsprechung aus perfiden Motiven“ las.

Um was geht’s? Es geht um die „Seligsprechung“ des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder im Bezug auf seine „Jahrhundertreform“, der Agenda 2010, sowie ein gewisses Bashing der damaligen sozialdemokratisch geführten Regierung durch die führenden Printmedien, wie etwa der F.A.Z., der Die Welt oder dem Verlagshaus Springer.

Frank A. Meyer analysiert die sog. Hetzkampagnen der Leitmedien damals wie heute und zieht ein erschreckendes Fazit: die führenden Journale verglichen die Eurokrise mit der „Notsituation“ des deutschen Kaiserreichs während des 1. Weltkrieges und dem Aufruf des letzten Kaisers, Wilhelm II, einen Burgfrieden, also dass die Parteien sich ohne Murren und Klagen dem Willen des Kaisers unterordnen sollten, zu halten.

Was hat dies mit den Sozialdemokraten zu tun? Was hat das mit Gerhard Schröder zu tun? Der Artikel ist zugegebenermaßen verwirrend, die Quintessens ist einfach: unsere Printmedien sind schizophren. Schizophren, weil sie die Sozialdemokratie einerseits für ihre der Kanzlerin entgegengesetzte Meinung in Sachen Finanz- und Eurokrise, in Grund und Boden verdammen und gleichzeitig die Reformbemühungen des Kanzlers Schöder als Paradebeispiel für gelungene Sanierungspolitik, die auch in anderen Teilen Europas notwendig ist, über Gebühr loben.
Meyer zeigt weiterhin auf, wie schrill diese Kritik geübt wird: da wird geschrieben, dass die Politik der SPD der Kanzlerin schade, sei es nun innen- wie außenpolitisch, dass ein Burgfrieden her müsse, dass die SPD destruktive Politik leisten würde – das schreiben so ziemlich alle Medien, quer durch die Bank.

Ich frage mich, was soll diese Art von Journalismus? Bis jetzt ging ich davon aus, dass wir eine anti-sozialdemokratische Politik, wie sie bspw. der erste deutsche Kanzler (des Kaiserreiches) Otto von Bismarck in den 1880er Jahren mit den sog. Sozialistengesetzen betrieb, überwunden hätten. Weiterhin sehe ich es als Pflicht einer Opposition an, andere Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, als diejenigen, die von einer Regierung beschritten werden. Die Frage, ob die Arbeit der SPD nun gut oder schlecht ist, ist in diesem Falle nicht so relevant wie die Tatsache, dass jede Demokratie eine aktive, konstruktive und v.a. lebendige Opposition braucht um funktionsfähig zu sein. Ein Burgfrieden wäre aus meiner Sicht, falsch.
Der Artikel im Cicero hat mich wachgerüttel. Es ist interessant zu sehen, dass unsere ach so unabhängigen Medien doch nur unwesentlich besser zu sein scheinen als so manch ausländisches Medium.

 

Auf bald,

Ihre/Eure Allics

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s