Wer braucht schon Bildung?

Hallo!

Heute möchte ich mal wieder am Thema Bildung, besser gesagt: Dem Niedergang des Bildungsbürgertums, widmen.
Wieso? Bei der Lektüre eines Interviews mit dem Leiter des Manesse Verlags, Horst Lauer, in der Online-Ausgabe der Zeit (hier  geht’s zum Interview), stieß ich auf einen Satz, der von der Eruption des Bildungsbürgertums und damit des sich Auflösens bestimmter Bildungsideale handelte – und mich sehr an meine eigene Zerrissenheit erinnerte.

Nun, was ist das Bildungsbürgertum? Lauer charakterisiert dieses durch Grammophon-Schallplatten und den obligatorischen Weltliteratur-Kanon (natürlich gänzlich gelesen). Das ist aber nicht Alles, denn zum Bildungsbürgertum gehören ebenso Bildungsreisen quer durch Europa oder Opern- und Theaterbesuche dazu, um nur zwei weitere Charakteristika zu nennen.

Und heute? Heute ist diese Spezies, die sich auf Latein und Griechisch, auf Geschichte und Philosophie, auf Hildegard Hamm-Brücher wie auf Augustinus oder Hans Küng versteht, am Aussterben. Zumindest in unserer Gesellschaft, die alles immer schneller und besser machen will.

G9? Zu lang! Diplom und Magister? Entspricht nicht den europäischen Maßstäben! Sicherheit? Ist ‚was für Spießer! Goethe lesen? Weckt Erinnerungen an schulische Unterdrückung! Kirche? Alles pädophile Spinner!

Ist das alles nun verkommen? Ist es überhaupt wichtig, sich in der Weltgeschichte auszukennen, auch wenn man z. B. Physik studiert hat? Ja, ist es! Denn nur, wenn wir wissen, woher wir kommen, können wir in die Zukunft blicken und aus der Vergangenheit lernen.
Ist es wichtig zu wissen, dass das Frankfurter Umland die Romantik maßgeblich prägte? Sicherlich muss man nicht wissen, in welchen Häusern Goethe, die Arnims und Brentanos lebten, aber dass Wiebaden, Aschaffenburg, Hof Trages und eben Frankfurt Schauplätze der Romantik waren, das durchaus.
Muss man wissen, auf welchen Säulen Europa fußt? Ja, das sollte man – nämlich der Akropolis, dem Kapitol und Golgota – damit uns bewusst wird, was Europa im Kern ist.

Und ja, ja und nochmals ja! Bildung ist wichtig und bedeutet gerade heute, dass man über den eigenen Tellerrand blicken und einen Blick für das Gesamte entwickeln muss. Wir sind immernoch nicht so weit, wie es sich ein Kant oder ein Lessing vor über zweihundert Jahren wünschten, dass wir aufgeklärt uns selbst aus unserer Unfreiheit befreien können, dass wir selbstbestimmt und aufrecht unseren Lebensweg gehen.

 

Und wie sieht es mit mir aus? Ich bin, weiß Gott nicht, eine Intelektuelle, wie eine Freundin mich neulich fragte, auch wenn ich ins klassische Bildungsbürgertum hineingeboren wurde.  Ich spüre vielmehr die Zerissenheit in mir, einerseits nach alten Idealen zu streben und andererseits mich dem Zeitgeist zu beugen. Bildung ist für mich das Alpha und das Omega, aber… wer braucht schon Bildung?

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

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