Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Hallo,

Frohe Ostern noch, zwar etwas spät, aber besser spät als nie!😉 Die letzten Tage/Wochen waren wieder abwechslungsreicher als erwartet, aber ein etwas Gutes hatten sie in jedem Fall für sich: Ich bin wieder zum Lesen gekommen und mein Lesestapel hat sich deutlich reduziert!

Eines der gelesenen Bücher war: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson.
Ursprünglich ein Geschenk an meinen Freund, bekam ich es nun auch zu Lesen. Grundsätzlich war ich etwas skeptisch, denn skandinavische Literatur ist mir fremd und wirkt auf mich immer recht düster. So begann ich das Lesen mit einem mullmigen Gefühl, aber die Lachsalven meines Freundes ermunterten mich, dieses Buch doch zu lesen.

In diesem Buch geht es um Allan Karlsson, einen Hundertjährigen, der am Tag seines 100sten Geburtstags die Nase gestrichen voll hat von dem Altersheim, in dem er keinen (wirklich gar keinen!) Alkohol trinken darf. Also beschließt er kurz entschlossen aus de Fenster zu steigen, das Blumenbeet zu ruinieren und gen Bahnhof aufzubrechen. Was sich vom Anfangsplot her schon irrwitzig anhört, wird im Verlaufe des Buches imme wieder aufs Neue getopt: Sei es durch das in Rückblenden äußerst abenteuerliche Leben Allans (Wodka-Trinken mit Stalin, Kim Jong-Il trösten, weil Stalin tot ist, Albert Einsteins Bruder Albert in Wladiwostok auftreiben,…), sei es durch die Flucht Allans, die von einigen Todesfällen begleitet wird oder, oder, oder…

Der Hundertjährige, so der Stern, sei ein überbordendes, irrwitziges Buch. Das stimmt. Irrwitzig ist Allans Leben in jedem Fall. Ich finde jedoch, dass es nicht so sehr das lustige Element ist, das besticht, sondern vielmehr – neben der Darstellung der Despoten und (demokratischen?) Herrscher dieser Zeit – die Charakterisierung der (Welt-)politik: Allan ist an Politik gänzlich uninteressiert, gerät aber immer wieder in die Weltpolitik hinein und lenkt diese (unkonventionell: Mit Wodka). Es scheint, dass Politik ein großes Potpourri der Zufälligkeiten ist, dass es nicht so sehr auf Können, Intelligenz oder Ethos ankommt, sondern vielmehr darauf, dass man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, dass man die richtigen Freunde hat und man seine eigenen Defizite gut kaschieren kann. Ob das nun gut oder schlecht ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Mir erscheint es jedoch wichtig, auch diesen Aspekt nicht unerwähnt zu lassen.

Ist der Hundertjährige nun empfehlenswert? Als Schelmenroman im Stile der Satyirika eines Petronius Arbiter ja, als Charakterstudie des 20. Jahrhunderts nur bedingt, denn dafür ist der Fokus zu sehr auf Weltpolitik und zu wenig auf den Zeitgeist/die Gesellschaft gerichtet, als abendliche Unterhaltung, auf Zugfahrten: Ja. Der Hundertjährige ist angenehm zu lesen, die Sprache ist klar und deutlich, syntaktisch ansprechend gestaltet. Doch trotz all der Lobhudelei, in die ich nun auch miteingestimmt bin, ist es nur ein Modebuch von vielen. Es wird sich zeigen, ob dieses Buch in fünf Jahren noch gelesen werden wird. Sicherlich wäre es schön, aber es ist zu bezweifeln.

 

 

In diesem Sinne, auf bald,
Ihre/Eure Allics

 

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. 412 Seiten, Carl’s Books.
Weitere Informationen siehe u.a. Thalia sowie Rezension von Kristina Maid-Zinker in der SZ.

Ein Gedanke zu “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

  1. Liebe Allics,
    wieder einer dieser Momente, in dem sich verschiedene voneinander vollkommen unabhängige Bereiche meines Lebens aus skurrile Art und Weise vermischen. Dieses Phänomen habe ich bereits einige Male in meinem Leben beobachten dürfen. Eine Kollegin hat mir vor wenigen Tagen ebenfalls von diesem Buch erzählt. Ich habe dies damals als eine nette Geschichte abgetan, aber da das Buch jetzt offensichtlich doch mehrere Bereiche meines Lebens durchackert und an mehreren Stellen präsent ist, werde ich es mir wohl doch demnächst einmal zulegen. Das soll bestimmt einen Sinn haben!
    Ich danke Ihnen dafür, dass Sie dies für mich so wahrnehmbar gemacht haben!
    Mit den besten Grüßen
    Travelhms

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s