Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

Hallo,

Haruki Murakami? Ist das nicht der, der…? Ist das nicht der, der momentan so en vogue ist? Ja, genau der. Und genau den dachte ich, müsse ich nun auch einmal lesen, wenn schon so viele andere Blogger/innen über ihn schwärmen und sich in Begeisterung ergehen über Athmosphäre, die Dichte und überhaupt.

Nun muss ich gestehen: Ich bin kein Fan von Literatur, die sich auf irgendwelchen Bestseller-Listen wiederfinden oder immer und immer wieder besprochen werden. Aber irgendwie hat mich dann doch die Neugier gepackt – und vielleicht auch meine lang verloren geglaubte Begeisterung für Japan.

Wieso nun also Gefährliche Geliebte? Als Einstieg dachte ich mir, dass diese Buch aus dem Jahre 1992, auch aus Ermangelung der Verfügbarkeit des ersten Bandes von 1Q84 (dazu mehr beim Murakami-Kollektiv), eine gute Wahl sein könnte, wenn schon seine Majestät, Reich-Ranicki, auf dem Cover verkündet, dass er schon seit Jahren nicht mehr solch eine erotische Liebesszene gelesen habe…

Um was geht’s also? Es geht um Hajimoto, ein Einzelkind, das im Verlauf des Buches erwachsen wird und immer wiedermit Frauen in Berührung kommt, die mehr oder minder anziehend sind. Das ist das m.M.n. Kerngerüst. Dazu kommt Shimamoto, die ebenso ein Einzelkind ist. Zunächst Spiel- und Leidensgefährten, entwickeln die beiden eine erste, jugendliche Anziehung, die aber abrupt durch einen Schulwechsel Hajimes unterbunden wird. Im weiteren Verlauf erzählt Hajime, wie es ihm auf der Mittel- und später auf der Oberschule ergeht, wie er aufs College kommt, an der Uni zum demonstrierenden Studenten wird,… und ja, immer wieder geht es ihm auch um seine Beziehung zu Frauen, die alle recht unscheinbar sind, aber, wie er es ausdrückt, eine magnetische Wirkung auf ihn ausüben…

Ich möchte nicht allzu viel über den Inhalt verlieren, denn der ist doch recht stump zu erzählen. Das wesentliche an diesem Buch – und hierbei stimme ich mit anderen überein – lebt von der dichten Athmosphäre, die Murakami aufbaut. Man wird regelrecht eingefangen von dieser anonym-leeren Schilderung der japanischen Mittelschicht, die schwankt zwischen starren Reglements (selbes Haus, mit dem Zug nach Tokio, zwei bis drei Kinder, ein Haustier,…) und sexueller Freizügigkeit – mit der Hajime Izumi, seine erste Freundin, verletzt. Generell lebt dieses Buch durchaus auch von Gegensätzen, bzw. Anomalien: Izumi ist ein gefühlsbetontes junges Mädchen, das gegen die familiären Verhältnisse aufbegehren möchte und doch Gefangene dieser selbst bleibt und somit zu einer tragisch anmutenden Figur wird. Hajime im Gegenzug sucht (gezielt?) nach dem Unscheinbaren, dem nichts-sagenden, personifiziert in Shimamoto, der geheimnisvollen Freundin aus Kindertagen, der er hinterherträumt. Genau diese Shimamoto ist es, die m.M.n. so „japanisch“ ist: Kontrolliert, bescheiden, zurückhaltend, perfektionistisch und doch immer unnahbar…

 

Ob dieses Buch mir gefallen hat, weiß ich nicht so recht. Es ist in jedem Fall beeindruckend und lesenswert – aber ob dieser Hype, der bisweilen um Murakami gemacht wird, gerechtfertig ist? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Also lesen!😉

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

 

Haruki Murakami, Gefährliche Geliebte, 2000, DuMont, etwa 8Euro.

6 Gedanken zu “Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

  1. Ich habe Murakami 2004 mit „Kafka am Strand“ unabhängig von Bestsellerlisten entdeckt. Das Buch las ich, während meine Tochter ein Schüleraustauschjahr in Tokyo verbrachte und ich mich zur Ablenkung mit jap. Landesliteratur beschäftigte.
    Seit damals hat mich Murakami nicht mehr losgelassen.
    Die „Gefährliche Geliebte“ habe ich (noch) nicht gelesen. Gestern trudelte die deutsche 1:1 Übersetzung ein “ Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ ein. Bin gespannt….

    • Hallo Tonari,
      ja, diese neue Übersetzung habe ich vor einer Woche in einer Zeitschrift entdeckt und mich fürchterlich geärgert, weil diese neue Übersetzung vom originalen, japanischen Text ausgeht und somit unverfälschter ist als die alte von der englischen Übersetzung ausgehende Version. Ich denke/hoffe, dass diese Neuübersetzung passender ist als die „alte“.
      VG,
      Allics

      • Aber warum hat Dich das geärgert? Weil Du dann das Buch „zu füh“ gelesen hast?
        Ich bin gespannt, was mich erwartet.
        Aber er hat mich schon nach den ersten Seiten in seinem Bann….

      • Ja, schon irgendwie… einfach, weil ich während der Lektüre etwas stutzig geworden war und mich ein wenig mehr erkundigte, was es mit der Geschichte auf sich hat und eben auf einen Hinweis im Wikipedia-Artikel stieß, dass es im Literarischen Quartett zu heftigen Auseinandersetzungen deswegen kam… aber ok, mal schauen.
        Viel Spaß beim Lesen!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s