Petron – Satyricon

Wenn man’s gar nicht erwartet, wird’s stets mit Sicherheit schiefgehn:
Mit uns schaltet das Schicksal und fragt nicht, was wir uns wünschen.
Darum schenke uns ein, Bursche, falernischen Wein.

Petron, Satyricon. Übersetzt von Hary C. Schnur,
Reclam 1968, S. 64

Hallo,

ob das stumpf klingt? Irgendwie schon. Wieso ich das poste? Gute Frage.

Nein, Spaß bei Seite: Dieser Ausschnit aus Petrons (seines Zeichens Mundschenk, lat. arbiter elegantiae, d.h.: Schiedsrichter der Vornehmheit, Kaiser Neros) Satyricon ist, ähnlich die Apocolocyntosis Senecas (wörtlich: Die Verkürbisung), ein nicht ganz ernstzunehmende Persiflage der Kaiserzeit. Was fein ist, wirkt an den dramatis personae unsagbar peinlich, ja lächerlich. Was als guter Geschmack galt, wirkt nunmehr dekadent — ja, das fällt wohl unter spätrömische Dekadenz.

Obiger Ausschnitt, ein Gedicht des Gastgebers Trimalichios, ein ehemaliger Sklave und nun Emporkömmling par excellence, will zeigen, dass Trimalchios gebildet ist. Aber wie nur? Er bringt uns doch nur Plattitüden näher: Wenn wir etwas unbedingt wollen, dann geht’s gerade deswegen schief. Ist das wirklich erhellend? Nicht wirklich. Dass die Nornen machen, was sie wollen? Auch nicht. Und weil das alles so frustrierend ist, einen Wein zu trinken – darauf wäre wirklich keiner gekommen…

Nun – fassen wir zusammen: Wer einmal lesen will, was unter spätrömischer Dekadenz zu verstehen ist und noch „Hintergrundinformationen“ zum Niedergang der FDP braucht: bitte.😉
Dennoch empfehle ich diesen Schelmenroman mit all seinen Irrungen und Wirrungen, teils auch etwas absonderlicherer Art. Gerade, weil dieser kleine Roman alles erhabene, das wir der Antike zuschreiben, ausradiert und uns vielleicht sogar zeigt, wie unsere humanistischen Heroen wirklich waren.

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Petron, Satyricon, Übersetzt von Hary C. Schnur. Stuttgart: Reclam, 1986. Etwa 6,00€.

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