Ich habe alles gelebt

Schon 1923 habe ich einmal begonnen, meine Memoiren zu schreiben. Damals lauteten die ersten Sätze: „Ich stamme von zwei sehr guten jüdischen Familien ab. Mein einer Großvater wurde wie Jesus Christus in einem Stall geboren, oder besser gesagt, über einem Stall in Bayern; und mein anderer Großvater war ein Hausierer.“ Viel weiter bin ich, glaube ich, mit dem Buch nicht gekommen, weil ich zu jung für die Aufgabe war und eben noch nicht genug zu sagen hatte. Jetzt fühle ich mich der Sache schon eher gewachsen, darf nicht länger warten, damit ich meine Erinnerungen noch rechtzeitig zu Papier bringe.

Peggy Guggenheim, Ich habe alles gelebt. Die Memoiren der „Femme fatale“ der Kunst

 

Hallo,

so beginnen sie, die Memoiren der Marguerite „Peggy“ Guggenheim. Vor vielen Monaten gab mein Vater mir dieses Buch und meinte: Das ist etwas für Dich, die Du Dich so für Kunst und Persönlichkeiten interessierst. Nimm’s und lies es! Nunja, was sollte ich sagen? Dass ich gerade dabei war, meinen immensen Lesestapel abzuarbeiten und ein weiteres Buch, das zudem nicht wirklich zu den anderen dazupassen wollte und auch noch ziemlich unansehnlich war, mich de facto nicht ansprach?

Nun, ich habe dieses Buch bis heute noch nicht gelesen. Der Lesestapel ist auch nicht gerade kleiner geworden (oder doch, es sind keine zehn Bücher mehr) und Zeit ist wieder einmal Mangelware. Dennoch liegt es nun vor mir und starrt mich vorwurfsvoll-unbeteiligt an. Ja, es fühlt sich jetzt richtig an, es zu lesen. Wieso? Zufall. Eigentlich wollte ich den finalen, letzten Anlauf unternehmen, Eugenides Liebeshandlung doch noch auszulesen, als mir die Memoiren auffielen und regelrecht ansprangen. Also begann ich zu lesen. Und gerade dieser erste Absatz bewog mich, mich gleich vor den Rechner zu setzen und das recherchieren zu beginnen, wer diese Peggy Guggenheim war…

Es ist die Einfachheit der Sprache, diese Klarheit, die mich reizt. Sicherlich wird dieses Buch nicht posthum irgendeinen Literaturkritiker-Preis gewinnen. Sicherlich ist auch dies nur ein weiteres Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär. Aber der Zauber der Vergangenheit, der Zauber (und Fluch) des frühen 20. Jahrhunderts weht in diesem Buch – einer Zeit, die wohl jeden in der ein oder anderen Weise fasziniert.

Mal schauen, wohin mich dieses Buch entführt und ob ich danach immernoch so fasziniert bin!

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

 

 

Peggy Guggenheim (1984): Ich habe alles gelebt. Die Memoiren der „Femme fatale“ der Kunst. BasteiLübbe, etwa 13€.

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