Exillyrik: Else Lasker-Schüler – Die Verscheuchte

Die Verscheuchte

Es ist der Tag im Nebel völlig eingehüllt,
Entseelt begegnen alle Welten sich-
Kaum hingezeichnet wie auf einem Schattenbild.

Wie lange war kein Herz zu meinem mild…
Die Welt erkaltete, der Mensch verblich.
Komm bete mit mir – denn Gott tröstet mich.

Wo weilt der Odem, der aus meinem Leben wich?
Ich streife heimatlos zusammen mit dem Wild
Durch bleiche Zeiten träumend – ja ich liebte dich…

Wo soll ich hin, wenn kalt der Nordsturm brüllt?
Die scheuen Tiere aus der Landschaft wagen sich
Und ich vor deine Tür, ein Bündel Wegerich.

Bald haben Tränen alle Himmel weggespült,
An deren Kelchen Dichter ihren Durst gestillt-
Auch du und ich.

 

 

Hallo,

bei einem Besuch eines Bekannten drückte mir dieser Berge von Büchern in die Hand… irgendwann rückte ich mit einer Schubkarre an, um all die Bücher ins Auto zu manövrieren… Unter diesen Büchern fand ich neben vielerlei Kunstbändchen auch ein kleines, unscheinbares Heftchen. Darin: Eine Sammlung von Gedichten aus dem Exil. Im Vorwort schrieb der Verleger, es sei nun, 1946, an der Zeit, dieses düstere Kapitel aufzuarbeiten. Insbesondere die verlorene Generation von Schriftstellern, deren Wirken nur schwerlich nach Deutschland vordrang, seien es nun Romane von Heinrich Mann oder Stefan Haym, versuchte er in der Nachkriegszeit uns Deutschen wieder zugänglich zu machen. Aber im Ernst: Wie präsent ist uns deutsche Literatur zwischen 1930 und 1945? Wie sehr Lyrik? Fast gar nicht.

In den nächsten Wochen möchte ich versuchen, immer wieder Gedichte aus dieser Zeit ins Gedächtnis zu rufen und, so es möglich ist, sie zu kontextualisieren.

 

Auf bald,

Ihre/Eure Allics

 

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