Lesestapelliste

Hallo,

endlich Osterzeit! Und endlich Zeit, meinen ziemlich hohen Lesestapel anzugehen. Was darauf liegt? Insbesondere Bücher von Autoren, die mir momentan gut gefallen; etwa Hemingway und Knausgard. Daneben noch ein Frankreich-Krimi, Weihnachtsüberreste und viel zu viele Englische Bücher aus den letzten Insel-Urlauben… Schande über mich!

Jedoch überwiegt die Freude, jetzt etwas Zeit und Muße zu haben, diesen Stapel anzugehen. Neugier und Erwartungen sind definitiv gute Begleiter, sich in diese Lesewelten zu begeben.

Und was ist jetzt konkret in diesem Lesestapel?

  • Hemingway – Fiesta
  • Knausgard – Spielen (wird gerade gelesen)
  • Knausgard – Leben
  • Walker – Reiner Wein
  • Díaz – Das kurze Leben des Oscar Wao
  • Lynch – Die Lügen des Locke Lamorra
  • Martin – The Blood King

… und noch einige mehr… aber das sind die wichtigsten für den Moment 😉

Mal schauen, wie weit ich in den nächsten zwei Wochen komme!

 

Alles Liebe und eine ruhige Karwoche,

Allics

Buchzitat

Das Leben ist ein Berg. Solange man steigt, sieht man den Gipfel und fühlt sich glücklich. Aber wenn man oben ist, dann erblickt man plötzlich den Abstieg und das Ende, nämlich den Tod. Der Aufstieg geht langsam, aber der Abstieg geht schnell. In Ihrem Alter ist man fröhlich. Man erhofft so vieles, was übrigens nie eintrifft. In meinem Alter erwartet man nichts mehr … außer dem Tod.

Maupassant, Bel-Ami, insel taschenbuch, 1977, S. 155.

Hallo,

momentan lese ich Maupassants Bel Ami. Ein Buch, das seit vier Jahren sehnsüchtig darauf wartet, gelesen zu werden. Als ich es damals in einem Antiquariat fand, war ich sehr davon angetan, jedoch nie so angetan, dass ich es wirklich lesen wollte. Irgendwann landete es dementsprechend im Bücherregal und wartete. Nun aber, vor einer Woche, sprach ich mit meinem Vater über das Wirrwarr im Bücherregal (siehe Vom Suchen und Finden). Über die Vielzahl an Büchern, die man ja lesen könnte, die man nicht habe und möglicherweise gezielt nachkaufen solle, und über Bücher, die darauf warten, gelesen zu werden. Darunter: Bel-Ami von Maupassant. Für mich Anlass, dieses Buch endlich zu lesen…

Mittlerweile habe ich gut die Hälfte des Buches gelesen und bin durchaus angetan. Die Sprache ist klar, vermittelt den Charme der 1880-er Jahre und besticht immer wieder durch Lebensweisheiten, wie etwa obiges Zitat. Einerseits widert George Duroy, der Protagonist, mich doch an; aus einfachen Verhältnissen stammend, versucht er sich in den bürgerlichen Kreisen Paris‘ mit Charme und Galanterie zu etablieren, jedoch ohne wirklich irgendetwas zu machen. Andererseits zeichnet das Buch ein Bild dieser Zeit, welches authentisch ist und immer wieder erheiternd ist. Darüber hinaus werden damals aktuelle und wichtige Themen, v.a. die Kolonien und der richtige Umgang mit diesen, angesprochen. Ich bin gespannt, was das Buch noch bereithält!

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Matthew Quick – Silver Linings

Hallo,

ein blaues Buch, mit Sonne oben, darunter zwei Wolken, eine schwarz, die andere ungefüllt, aus beiden regnet es. So schaut mich Matthew Quicks Roman Silver Linings an. Er mutet – zumindest von außen – etwas kindisch-ungelenk an. Doch innen, da entfaltet sich eine ganz andere Welt…

Pat Peoples ist 34 Jahre alt und hat keine Erinnerungen an die letzten Jahre. Er war an einem schrecklichen Ort, der sich dem Leser schnell als Psychiatrie offenbart, und nun will er seine Frau Nikki zurück. Doch Nikki zurückzubekommen gestaltet sich um einiges schwieriger als gedacht. Statt Nikki an seiner Seite hat er bald Tiffany, die Schwägerin seines besten Freundes, ihres Zeichens depressive Nymphomanin, an seiner Backe und weiß nicht, wie sie loswerden.

Ein Plot, der irgendwie alltäglich wirkt. Aber das ist es nicht. Quick beschreibt seinen Protagonisten Pat – das Buch ist aus seiner Perspektive wie ein Tagebuch geschrieben – überaus liebevoll und es fällt schwer, nicht allzu emotional zu werden und nicht bei jedem Rückschlag oder positiven Schritt nach vorne, nicht nicht eine Träne zu verdrücken, bzw. in Gelächter auszubrechen. Alle Charaktere zeichnen sich durch eine gewisse Unschärfe aus, die dennoch nicht ungenau oder unpassend wirkt. Pats Vater beispielsweise, ein glühender Anhänger der Football Mannschaft der Eagles, redet fast nicht, ja er ist fast nie präsent. Und dennoch wird in den wenigen Momenten, in denen er redet, klar, um was für einen Menschen es sich handelt. Ein besonderer Charakter ist sicherlich Cliff, der Psychiater Pats. Indischer Abstammung, Eagles-Fan, Mitglied der Asian Invasion und „Retter“ in der Not. Erst ist Cliff nicht ganz zu greifen, doch je mehr sich Pat seinem Psychiater öffnet, desto mehr kommt der Leser Cliff näher.

Das Cover trifft Silver Linings ganz gut. Pat fühlt sich als Sonne, und wo Sonne ist, ist Schatten, bzw. Regen. Ich denke, dass Silver Linings ein Buch ist, das gerade jüngere Leser anspricht und berühren kann. Dies liegt daran, dass dieses Buch so viele Projektionsflächen für das eigene, noch vor einem liegende  Leben bietet. Gut geschrieben, offen und dennoch detailliert – ein Lesevergnügen für alle, die ein frisches, aber nachdenkliches Buch lesen wollen!

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

 

Quick, Matthew (2013): Silver Linings, Reinbek: Rowohlt, etwa 17€

Ich habe alles gelebt

Schon 1923 habe ich einmal begonnen, meine Memoiren zu schreiben. Damals lauteten die ersten Sätze: „Ich stamme von zwei sehr guten jüdischen Familien ab. Mein einer Großvater wurde wie Jesus Christus in einem Stall geboren, oder besser gesagt, über einem Stall in Bayern; und mein anderer Großvater war ein Hausierer.“ Viel weiter bin ich, glaube ich, mit dem Buch nicht gekommen, weil ich zu jung für die Aufgabe war und eben noch nicht genug zu sagen hatte. Jetzt fühle ich mich der Sache schon eher gewachsen, darf nicht länger warten, damit ich meine Erinnerungen noch rechtzeitig zu Papier bringe.

Peggy Guggenheim, Ich habe alles gelebt. Die Memoiren der „Femme fatale“ der Kunst

 

Hallo,

so beginnen sie, die Memoiren der Marguerite „Peggy“ Guggenheim. Vor vielen Monaten gab mein Vater mir dieses Buch und meinte: Das ist etwas für Dich, die Du Dich so für Kunst und Persönlichkeiten interessierst. Nimm’s und lies es! Nunja, was sollte ich sagen? Dass ich gerade dabei war, meinen immensen Lesestapel abzuarbeiten und ein weiteres Buch, das zudem nicht wirklich zu den anderen dazupassen wollte und auch noch ziemlich unansehnlich war, mich de facto nicht ansprach?

Nun, ich habe dieses Buch bis heute noch nicht gelesen. Der Lesestapel ist auch nicht gerade kleiner geworden (oder doch, es sind keine zehn Bücher mehr) und Zeit ist wieder einmal Mangelware. Dennoch liegt es nun vor mir und starrt mich vorwurfsvoll-unbeteiligt an. Ja, es fühlt sich jetzt richtig an, es zu lesen. Wieso? Zufall. Eigentlich wollte ich den finalen, letzten Anlauf unternehmen, Eugenides Liebeshandlung doch noch auszulesen, als mir die Memoiren auffielen und regelrecht ansprangen. Also begann ich zu lesen. Und gerade dieser erste Absatz bewog mich, mich gleich vor den Rechner zu setzen und das recherchieren zu beginnen, wer diese Peggy Guggenheim war…

Es ist die Einfachheit der Sprache, diese Klarheit, die mich reizt. Sicherlich wird dieses Buch nicht posthum irgendeinen Literaturkritiker-Preis gewinnen. Sicherlich ist auch dies nur ein weiteres Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär. Aber der Zauber der Vergangenheit, der Zauber (und Fluch) des frühen 20. Jahrhunderts weht in diesem Buch – einer Zeit, die wohl jeden in der ein oder anderen Weise fasziniert.

Mal schauen, wohin mich dieses Buch entführt und ob ich danach immernoch so fasziniert bin!

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

 

 

Peggy Guggenheim (1984): Ich habe alles gelebt. Die Memoiren der „Femme fatale“ der Kunst. BasteiLübbe, etwa 13€.

Petron – Satyricon

Wenn man’s gar nicht erwartet, wird’s stets mit Sicherheit schiefgehn:
Mit uns schaltet das Schicksal und fragt nicht, was wir uns wünschen.
Darum schenke uns ein, Bursche, falernischen Wein.

Petron, Satyricon. Übersetzt von Hary C. Schnur,
Reclam 1968, S. 64

Hallo,

ob das stumpf klingt? Irgendwie schon. Wieso ich das poste? Gute Frage.

Nein, Spaß bei Seite: Dieser Ausschnit aus Petrons (seines Zeichens Mundschenk, lat. arbiter elegantiae, d.h.: Schiedsrichter der Vornehmheit, Kaiser Neros) Satyricon ist, ähnlich die Apocolocyntosis Senecas (wörtlich: Die Verkürbisung), ein nicht ganz ernstzunehmende Persiflage der Kaiserzeit. Was fein ist, wirkt an den dramatis personae unsagbar peinlich, ja lächerlich. Was als guter Geschmack galt, wirkt nunmehr dekadent — ja, das fällt wohl unter spätrömische Dekadenz.

Obiger Ausschnitt, ein Gedicht des Gastgebers Trimalichios, ein ehemaliger Sklave und nun Emporkömmling par excellence, will zeigen, dass Trimalchios gebildet ist. Aber wie nur? Er bringt uns doch nur Plattitüden näher: Wenn wir etwas unbedingt wollen, dann geht’s gerade deswegen schief. Ist das wirklich erhellend? Nicht wirklich. Dass die Nornen machen, was sie wollen? Auch nicht. Und weil das alles so frustrierend ist, einen Wein zu trinken – darauf wäre wirklich keiner gekommen…

Nun – fassen wir zusammen: Wer einmal lesen will, was unter spätrömischer Dekadenz zu verstehen ist und noch „Hintergrundinformationen“ zum Niedergang der FDP braucht: bitte. 😉
Dennoch empfehle ich diesen Schelmenroman mit all seinen Irrungen und Wirrungen, teils auch etwas absonderlicherer Art. Gerade, weil dieser kleine Roman alles erhabene, das wir der Antike zuschreiben, ausradiert und uns vielleicht sogar zeigt, wie unsere humanistischen Heroen wirklich waren.

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Petron, Satyricon, Übersetzt von Hary C. Schnur. Stuttgart: Reclam, 1986. Etwa 6,00€.

Neue Reihe?

Hallo,

heute mal etwas ganz neues. Zumindest hier bei mir. Wie viele andere Blogs es bereits tun, möchte ich hier in Zukunft immer mal wieder Ausschnitte aus Büchern vorstellen, die mich gerade bewegen, mich begleiten oder fasziniert zurücklassen. Wie’s dazu kommt? Öfter ‚mal ‚was neues! 😉

„Was ist denn das?“, fragte er.
Die Schrift in dem Buch war seltsam klotzig, mit leserlichen, aber unnatürlich eng gedrängten Buchstaben. Und sie war unnatürlich gleichmäßig. Jeder Buchstabe sah aus wie der andere, ob er am Beginn, in der Mitte oder am Ende eines Wortes stand.
[…]
Seltsam. Dem Buch fehlte jede Persönlichkeit. Keine menschliche Hand hatte diese Zeilen geschrieben. Keine menschliche Hand hatte diese Zeilen geschrieben. Es war leblos, alles das Gleiche. […] Nur die nackte Tinte und der gefühllose Abdruck einer mechanischen Walze. Sogar der Geruch war anders.
„Ich denke, dadurch wird es mich noch schneller langweilen“, bemerkte Kip. „Das macht ein Buch so … ermüdend.“
„Es wird die Welt verändern.“
Nicht zum Besseren.

Brent Weeks, Die Blendende Klinge, S. 295

So wird es wohl nicht nur Kip, dem Protagonisten ergangen sein, als man im 15. Jahrhundert das erste gedruckte Buch in Händen hielt. Aber einmal ehrlich: Geht es uns nicht allen so, dass, schlagen wir ein funkelnagelneues Buch auf, den unvergleichlichen Geruch von Druckerschwärze und holzigem Papier erschnuppern? Dass wir gebannt sind von der Akuratesse der einzelnen Buchstaben und sind verwirrt, wenn die Druckerschwärze unvermittelt schwächer wird, ein Buchstabe aus der Reihe tanzt oder sich gar eine Zahl in ein Wort eingeschlichen hat…

Und die zweite Erkenntnis: Der Buchdruck hat die Welt verändert. Aber wirklich zum Schlechteren? Das ist hier die Frage…

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Rückkehr

Hallo,

wie die Zeit vergeht! Kaum zu glauben, aber: Das letzte Viertel des Jahres hat begonnen. Nach einer Sommerpause geht’s nun auch für yourenotme auf den Herbst zu.

Die Tage werden wieder kürzer, die Sonne steht tiefer, die Bäume färben sich bunt. Und ja, die erste Weihnachtsdekoration wird auch schon feilgeboten, ganz zu schweigen von den ersten Plätzchen und Lebkuchen…

Was steht dieses Jahr noch an? Viel neues bei mir persönlich (mal schaun, wie das wird), aber nicht ganz so viel neues hier beim Blog. In Kürze werde ich Euch einen kleinen Reisebericht von meiner Schottlandreise zukommen lassen und mich wieder mehr um Bücher kümmern, nachdem diese ja so schmählich vernächläsigt wurden 😉

Während meiner Abwesenheit hatte ich die Freude, mich einigermaßen viel mit Büchern beschäftigen zu können – v.a. die heimische Bibliothek stellte nicht nur mich vor das ein oder andere Problem… aber: In Kürze mehr!

Beschließen will ich heute mit einem kurzen Gedicht über Bücher, das das Leben von Büchern recht gut beschreibt: Das Buch von Heinrich Seidel.

 

Das Buch

Der Erste schreibt es,
Der Zweite vertreibt es,
Der Dritte verschmäht es,
Der Vierte ersteht es,
Den Fünften entflammt es,
Der Sechste verdammt es,
Der Siebente schätzt es,
Der Achte versetzt es,
Der Neunte verpumpt es,
Der Zehnte zerlumpt es,
Der Elfte vergräbt es,
Der Zwölfte verklebt es
Zu Düten, denn im Krämerladen
Da kommen sie schliesslich Alle zu Schaden!

 

Auf bald,

Ihre/Eure Allics