Exillyrik: Else Lasker-Schüler – Die Verscheuchte

Die Verscheuchte

Es ist der Tag im Nebel völlig eingehüllt,
Entseelt begegnen alle Welten sich-
Kaum hingezeichnet wie auf einem Schattenbild.

Wie lange war kein Herz zu meinem mild…
Die Welt erkaltete, der Mensch verblich.
Komm bete mit mir – denn Gott tröstet mich.

Wo weilt der Odem, der aus meinem Leben wich?
Ich streife heimatlos zusammen mit dem Wild
Durch bleiche Zeiten träumend – ja ich liebte dich…

Wo soll ich hin, wenn kalt der Nordsturm brüllt?
Die scheuen Tiere aus der Landschaft wagen sich
Und ich vor deine Tür, ein Bündel Wegerich.

Bald haben Tränen alle Himmel weggespült,
An deren Kelchen Dichter ihren Durst gestillt-
Auch du und ich.

 

 

Hallo,

bei einem Besuch eines Bekannten drückte mir dieser Berge von Büchern in die Hand… irgendwann rückte ich mit einer Schubkarre an, um all die Bücher ins Auto zu manövrieren… Unter diesen Büchern fand ich neben vielerlei Kunstbändchen auch ein kleines, unscheinbares Heftchen. Darin: Eine Sammlung von Gedichten aus dem Exil. Im Vorwort schrieb der Verleger, es sei nun, 1946, an der Zeit, dieses düstere Kapitel aufzuarbeiten. Insbesondere die verlorene Generation von Schriftstellern, deren Wirken nur schwerlich nach Deutschland vordrang, seien es nun Romane von Heinrich Mann oder Stefan Haym, versuchte er in der Nachkriegszeit uns Deutschen wieder zugänglich zu machen. Aber im Ernst: Wie präsent ist uns deutsche Literatur zwischen 1930 und 1945? Wie sehr Lyrik? Fast gar nicht.

In den nächsten Wochen möchte ich versuchen, immer wieder Gedichte aus dieser Zeit ins Gedächtnis zu rufen und, so es möglich ist, sie zu kontextualisieren.

 

Auf bald,

Ihre/Eure Allics

 

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Zitat am Abend (31.03.2014)

Wohlstand ist das Durchgangsstudium von der Armut zur Unzufriedenheit.

Helmar Nahr (*1931), dt. Mathematiker u. Wirtschaftswissenschaftler

Hallo,

ehrlich gesagt: Ich verstehe das Zitat auch nach x-maligem Lesen nicht. Also schon. Aber nicht so ausgedrückt. Gleichwohl ist es ein sehr schönes Zitat und erklärt sehr simpel, warum Bhutan ein umso vielfaches glücklicheres Land ist, wie es Deutschland ist. Wohlstand macht nicht zufrieden, auch nicht wirklich glücklich. Bekanntlich liegt das Glück vielmehr im Kleinen als im ganz Großen – das zeigen viele Studien, aber auch dieses simple und stringente Zitat.

Wohlstand sollte dennoch nicht Unzufriedenheit oder innere Armut bedeuten. Wohlstand sollte heißen: Wohl stehen, sich wohl fühlen. Vielleicht machen wir uns das wieder verstärkt bewusst…

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Bilderkunst

Hallo,

momentan beschäftigt die Onlinegemeinde wieder einmal unsere Kanzlerin, Frau Merkel. Nach dem großen Aufreger nun als die Hipstermerkel. Was soll man sagen? Belustigend? Die Kanzlerin als Trendsetterin?

Schaut man sich die BIlder auf tumblr (hier geht’s zu den Bildern) einmal an, so könnte man denken, die Bilder stammten direkt aus den 1980-er Jahren: Scheußlicher Blazer, Frisur ohne Worte, Setting langweilig. Nunja – leider erscheint dieses Foto auch wie ein Ausbund an Modernität, eben aus Hipster-Sicht. Sicherlich ist dies Geschmackssache. Auffällig ist doch aber, wie spießig das Bild an sich ist und wie die diversen Filtermanipulationen dies noch unterstreichen. Ein simpler bräunlicher Filter z.B. streicht die grobe Musterung des Blazers heraus – das erinnert doch schwer an Omas ollen Blazer, den sie zur Firmung vor langer Zeit trug. Die Frisur erinnert an Prinz Eisenherz und nicht an die mächtigste Frau der Welt. Stil? Nicht vorhanden.

Oder doch? Das nunmehr neun Jahre alte Bild suggeriert, dass es aus den 1980-ern stammen könnte. Gleichwohl ist es auch heute, im Jahr 2013, modern, eben aus Hipster-Sicht. Das spräche doch für einen zeitlosen Stil, oder zuminedst dafür, dass wir in Deutschland dreisig Jahre nicht wirklich weiterentwickeln, modisch/stilistisch gesehen…

Betrachtet man davon losgelöster die Bilder an sich, so entsprechen sie voll der momentanen Mode: relativ schnörkellos, farblich zurückgenommen, bisweilen krachend und voll von Anspielungen. Meiner Meinung nach sind die BIlder nicht durchweg, aber doch zum Großteil gelungen und durchaus künstlerisch, wenn auch nicht das innovativste.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Bilder begutachten und Meinung bilden!

 
Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Anything goes?

Hallo,

jaja, schon interessant, was so alles in den Panorama- und Feuilltonteilen so angesprochen wird und doch nicht wirklich diskutiert wird…

Gesellschaftlich ist seit der #Aufschrei-Debatte eine um die andere Kuh durchs Dorf getrieben worden: Sei es der Fall Hoeneß, das Phänomen Merkel oder das Kartoffel-Kartell. In letzter Zeit fanden sich in den großen Zeitungen der bundesdeutschen Republik auch immer wieder Artikel über Daniel Cohn-Bendit und Äußerungen dessen aus den 1970ern über Pädophilie.

Diese Debatten zeigen, dass das Anything-goes-Prinzip, das gerne zitiert wird, bei weitem nicht funktionstüchtig ist: Die Aufschrei-Debatte demonstrierte, dass wir Frauen bei weitem nicht immer die gleichen Chancen haben, dass wir nicht gleichberechtigt sind und immer noch zu oft als das schwache Geschlecht deklariert werden. Der erste Aufschrei war groß, die Medien voll von Debatten, wütenden Kommentaren und entrüsteten Zwischenrufen. Doch jetzt sind die Wogen wieder geglätteter und die gesellschaftliche Debatte eingeschlafen. Wir müssen und fragen: Sind wir heute, in einer post-feministischen Gesellschaft weiter? Haben wir erreicht, was wir erreichen wollten? Sind wir frei? Sind wir gleich?

Die Debatte um Cohn-Bendit wiederum wirft die Frage auf, ob anything überhaupt gehen darf. Welche moralischen Leitsätze haben heute noch Gültigkeit, welche beeinflussen uns? Religiöse Leitsätze haben Deutschland geprägt und haben in unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung Eingang gefunden. Gleichzeitig wurden in den letzten Wochen diese Leitsätze in Frage gestellt – ein Vorgang, der „normal“ ist, denn Recht ist immer ein Produkt seiner Zeit. Und doch ist die Frage zu stellen, welche Leitsätze unsere Gesellschaft prägen sollen und müssen. Wo sind Grenzen? Wo Freiheiten? Was ist wichtig? Was unwichtig?

Ich denke, dass die Frage nach einer gesellschaftlichen Debatte durchaus angemessen ist. Wir sollten und müssen uns vor allem fragen: Wie soll Deutschland im 21.Jahrhundert aussehen?

 

In diesem Sinne,
auf bald,
Ihre/Eure Allics

Zitat am Abend (10.04.2013)

Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können.

Theodor Fontane

Hallo!

Theodor Fontane, der Chronist der Deutschen Einigungskriege, beschreibt den Optimisten als einen sehr feinen, ja vornehmen Menschen. Aber muss er das sein? Nein, denn Optimisten sollte es ja überall geben, heute mehr denn je. Es ist verständlich, dass Spanier, Italiener, Portugiesen, Franzosen,… nicht positiv in die Zukunft blicken. Es ist klar, dass wir Deutsche uns nicht gerade mit Ruhm bekleckern, was Taktgefühl und Anspruchsdenken im europäischen Rahmen angeht. Und doch sollte wir uns alle unseren Optimismus, zumindest hinblicklich einer Idee vom vereinten (nein, nicht unter deutscher Fahne!) Europa, bewahren und gemeinsam weiter Austern essen – aber nicht auf Staatskosten 😉

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Farbentrist

Hallo,

es kommt hier bei yourenotme nur recht selten vor, dass ich mich dazu bequeme, über Mode zu schreiben. Außer, ich stoße auf Dinge, die mich in irgendeiner Weise stören.

Am Freitag bummelte ich durch München und wusste nicht so recht, was tun. Die Geschäfte eher trist, das Wetter unschön und dummerweise auch keine Begleitung in Sicht. Nun denn, ich fand mich unvermittelt in einer Parfumerie… angezogen von strahlenden, ja regelrecht leuchtenden Farben schlich ich mich von Lippenstift zu Lippenstift, unsicher, ob mir eine solch kräftige Farbe (Signalrot) stehen würde. Eine auf mich aufmerksam gewordene Kosmetikerin half: „Natürlich steht Ihnen das! Aber erschrecken Sie nicht, rot ist nunmal rot und das ist auffälliger, als uns Deutschen lieb ist.“ Kurze Seit später betrachtete ich mich im Spiegel. Sieh an, das ist wirklich rot! Nach kurzem Schock war ich begeistert. Nur: Wie erklär‘ ich’s meiner Umwelt? Geht das? Schon vor einem Jahr kaufte ich einen pinken Rock, den ich nur schwerlich anziehen mag, weil ich das Gefühl habe, dass das keiner so wirklich gut findet… Ein Jammer! Auch wenn ich überzeugt war, mein Freund, der mich kurz darauf abholt, war es nicht (im Gegensatz zum Kellner beim Italiener ;-)).

Heute nun stieß ich auf einen Artikel in der Zeit, von einem Mann geschrieben, der mich wiederum ärgerte: Die Mode wird wieder unbunter! Juhu, es gibt keine waghalsigen Kombinationen mehr Getreu dem Motto: Gelb, Rot und Streifen müssen es mindestens sein. Juhu, jetzt tragen Frauen endlich keine roten Kleider mehr, die ihnen (farblich) sowieso nicht stehen. Juhu, jetzt müssen wir nur noch bunte Handtaschen ertragen.
Ja Himmelherrgottnochmal! Was sind wir Deutschen doch farbentrist! Außer meckern, herumkommandieren und möglichst unauffällig sein können wir wohl nichts…

Gehen wir doch einmal durch die Fußgängerzonen von Celle, Mannheim, Rostock oder Trier. Was sehen wir? Schwarz, braun, beige, grau, blau und vielleicht mal weiß. Ist ja nicht so, dass die Läden in den letzten Jahren mit bunten Kleidern aller Couleur vollhingen… Schade! Wo ist denn so etwas wie nach außen getragene Lebensfreude? Muss bunte Kleidung heißen, dass der/die Träger/in ein Paradisvogel ist?

 

Nun, ich muss wieder mich der Arbeit zuwenden,
auf bald,
Ihre/Eure Allics

Von Niederungen

Hallo,

von Niederungen?, werden sich sicherlich einige von Ihnen/Euch, liebe Leser, fragen. Was soll das denn heißen? In Anlehnung an Abhandlungen eines Ciceros, der viele seiner Werke „De…“ von überschrieb? Nein, weniger. Aber dieser kleine Artikel handelt von Niederungen deutscher Musik. Und da ist so ziemlich kein Abgrund tief genug um annähernd zu beschreiben, was sich Jahr für Jahr in den (deutschen) Charts tummelt. Eine kleine Auswahl gefällig?

De Randfichten – Lebt denn der alte Holzmichl noch?
Gut, Volksmusik ist an sich schon kritisch. Aber dieses Lied hat es tatsächlich geschafft, sich in das kollektive Gedächtnis von (zu) vielen Menschen einzuprägen – und warum? Man kann einfach viel zu gut mitschunkeln…

Heino – Junge
Nicht nur mir blieb wohl das Frühstück im Halse hängen, als ich las, dass HEINO, genau, der Heino, den meine Großmutter vergötterte (so wie Roy Black und Co.), sich an einer meiner Lieblingsbands vergriff. Dann zwang ich mich zum anhören und verzweifelte: Statt mitzusingen, schunkelte ich mit und hörte es gleich nochmal an…

Helge Schneider – Katzeklo
Es gibt Dinge, über die braucht man wirklich keine Lieder. Gut, Helge Schneider ist Komiker, da muss man mit musikalischen Verirrungen rechnen. Dumm nur, dass viele Deutsche das 1994 anders sahen.

Mike Krüger – Der Nippel
Iterum censeo…ne, nicht, dass Karthago zerstört werden müsse 😉 Braucht’s da mehr Erklärung?

Daniel Küblböck – You drive me crazy
Anfang der 2000-er machte sich in Deutschland das Phänomen der Casting-Show breit und überschwemmt uns bis heute, immerhin mehr als zehn Jahre später. Neben solchen musikalischen Krachern wie „Großer Bruder“ von Zlatko und Jürgen (ein Schelm, wer hier Ironie herausliest!), wurde uns – Dieter Bohlen sei Dank – auch Daniel Küblbock kredenzt. Der Titel ist Programm, kann man da nur sagen.

Schnappi, das kleine Krokodil (nicht ganz orginalgetreu)
So, noch so ein Lied, das jeder mitsingen kann und dabei, wenn es ganz gut läuft auch noch die passenden Bewegungen vollführen kann. Bei diesem „Lied“ erkennt man leider nur kaum, dass das in grauer Vorzeit einmal von einem kleinen Mädchen gesungen wurde…

Stefan Raab – Wadde hadde Dudde da?Es sei dahingestellt, ob Stefan Raab singen kann. Ein Entertainer ist er allemal. Seine Lieder zeichnen sich allesamt durch… nicht-Sprache aus. Auch ein Talent. Aber wenigstens mit Unterhaltungsfaktor.

 

So, das ist nun eindeutig genug, auch wenn die Liste natürlich nicht vollständig ist, muss sie aber auch nicht. 😉
Trotzdem einen schönen Abend,

auf bald,
Ihre/Eure Allics

 

P.S.: Achja, dass sich aus irgendwelchen Gründen nur deutsche Musik auf dieser Liste befindet, ist reiner Zufall.