Zitat am Abend (16.10.2014)

Und plötzlich weißt du:
Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen,
und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.

Meister Eckhart (1260-1328)

Hallo,

morgen steht ein Abschied von einer liebgewonnen Nachbarin an, die wegzieht und zu neuen Ufern aufbricht.
In den letzten Tagen war es spannend, manchmal auch beängstigend zu sehen, wie sie alles in Kisten räumt und ausräumt. Wie leer doch plötzlich alles war! Wie viele Kisten überall herumstanden, bis oben hin gefüllt mit allem, was sich in einem Studentenleben so ansammelt.

Da kommt man unweigerlich selbst ins Grübeln: Wie das bei mir wohl aussieht, wenn ich gehe und mein bisheriges Leben in Kisten verpacke? Ob ich wohl auch so viele Dinge entrümpeln werde? Verschenke ich überflüssiges und mache anderen damit eine Freude? So viele Fragen…

Als ich eben nun darüber brütete, was man jemandem mit auf den Weg gibt, den man nun doch schon eine Weile kennt. Mir kam dieses Zitat von Meister Eckhart, dem spätmittelalterlichen Theologen und Philosophen unter. Ja, manchmal erkennt man aus dem Nichts heraus, dass etwas Neues beginnt, beginnen muss. Selbst wenn man lange gezweifelt hat, ob das alles so richtig war. Dann erkennt man, dass es doch zauberhaft ist, sich ins Unbekannte, ins Neue zu stürzen, mit offenen Augen.

Ich glaube, das ist etwas, das ich meiner Freundin mit auf den Weg geben will. Aber vielleicht auch uns anderen in Erinnerung rufen will.

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Zitat am Abend (31.03.2014)

Wohlstand ist das Durchgangsstudium von der Armut zur Unzufriedenheit.

Helmar Nahr (*1931), dt. Mathematiker u. Wirtschaftswissenschaftler

Hallo,

ehrlich gesagt: Ich verstehe das Zitat auch nach x-maligem Lesen nicht. Also schon. Aber nicht so ausgedrückt. Gleichwohl ist es ein sehr schönes Zitat und erklärt sehr simpel, warum Bhutan ein umso vielfaches glücklicheres Land ist, wie es Deutschland ist. Wohlstand macht nicht zufrieden, auch nicht wirklich glücklich. Bekanntlich liegt das Glück vielmehr im Kleinen als im ganz Großen – das zeigen viele Studien, aber auch dieses simple und stringente Zitat.

Wohlstand sollte dennoch nicht Unzufriedenheit oder innere Armut bedeuten. Wohlstand sollte heißen: Wohl stehen, sich wohl fühlen. Vielleicht machen wir uns das wieder verstärkt bewusst…

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Zitat am Abend (17.07.2013)

Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens.
Armin Mueller-Stahl

Hallo,

wer immer nur funktioniert, der macht alles mechanisch, macht sich selbst zum Getriebenen. Oder: Wer immer nur funktioniert, lässt sich keinen Freiraum mehr zum Leben.

Dieses Zitat ist wohl ein Sinnbild unserer Zeit: Wir werden zu immer größeren Leistungen angespornt und vergessen das Leben. Einerseits. Gleichwohl stürtzen wir uns in immer größere Abenteuer: Ziehen von der wohlvertauten Umgebung am besten ans andere Ende der Welt, lassen alles stehen und liegen, nur um diese eine, einzig wahre Gelegenheit zu nutzen, die uns dargeboten wird…

Armin Mueller-Stahls Zitat deutet diese Schizophrenie an, ohne aber so weit zu gehen, sie zu Ende zu denken (hier bei ist der fehlende Zusammenhang zu bedenken) und sie zu benennen. Es ist eine Facette, die er hier aufdeckt und die partiell für uns alle in der ein oder anderen Art und Weise relevant ist…

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Kino, Musik und das Leben

Hallo,

cuncta fluunt – diese Weisheit aus Ovids Metamorphosen begleitet jeden von uns alltäglich. Heute so, morgen so, heute hier, morgen dort. Immer und überall bewegt sich etwas, Türen öffnen sich und andere schließen sich. Da weiß man manchmal gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Ich auch nicht. So viele Eindrücke scheinen über mir einzubrechen, dass es etwas Zeit braucht, all diese zu ordnen und zu, pardon, verdauen.

Letzte Woche besuchte ich gemeinsam mit Anhang (Entschuldige, Andra! 😉 ) ein wundervolles Zaz-Konzert auf dem Münchner Tollwood. Wer dieses ökologische-multi-culti Festival nicht kennt, der sei auf die Webseite verwiesen und dem sei dieses Festival mit seinen Kleinkunstbühnen, dem großen Musikzelt, aber v.a. der gemütlichen Stimmung ans Herz gelegt – und *hier* geht’s zur Seite.
Doch zurück zum Konzert. Wie bereits letzte Woche versprochen, wollte ich eine kleine Nachkritik zu diesem kleinen, aber feinen Konzert schreiben, was auf Grund vielerlei Umstände nicht klappte. Jedoch bleibt festzuhalten, dass Zaz-Konzerte mehr als nur ein bisschen zu empfehlen sind. Zaz ist eine Künstlerin, die wirklich Musik macht, die aus dem tiefsten Herzen kommt, die musikalisch erste Sahne ist und deren Band unfassbar gut aufeinander abgestimmt ist und nicht zu letzt durch ihre Vielfältigkeit (jeder konnte etwa drei Instrumente spielen) oder durch ihren Gesag besticht.

Daneben spielten Kinofilme eine größere Rolle in den letzten Wochen. Papadopolous & Sons (hier geht’s zur IMDB) ist ein kurzweiliger Film über Self-Made Griechen in Großbritannien, die über die Finanzkrise stolpern – sehenswert, aber unbedingt auf Englisch ansehen, sonst ist der Witz dahin!
Als zweiter Film stand The Place beyond The Pines auf dem Programm. Nur so viel: Amerikanische Roadmovies sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Zu viel Psycho, zu düster, zu frustrierend. Aber halt – ist das nicht der Film, der allseits so gelobt wurde? Ja, genau der. Wer anstrengend-bemühte Filme mag, die nicht wirklich neu sind und trotz ihres Independend-Status‘ seltsam klischee-beladen sind, der möge sich diesen ansehen.
Als dritter und vorläufig letzter Film stand Die Unfassbaren – Now You See Me auf dem Programm. Mhm… manche sagen „Worst film ever“, manche (wie z.B. die SZ-Feuilltonisten) schwärmen in den höchsten Tönen von ihm. Mein Urteil beläuft sich auf ein: Nicht schlecht, viele unerwartetere Wendungen, durchaus unterhaltend, aber schlussendlich unfertig-fertig.

 

Und sonst? Sonst treibt mich das Leben… heute hier, morgen dort. Wer weiß schon, wo ich morgen sein werde?

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Zitat am frühen Morgen (14.06.13)

 

Berlin-Mitte ist nicht das wahre Leben.

Sigmar Gabriel

Hallo,

heute mal das Zitat am Abend am frühen Morgen. Tja, da hat er nu‘ einmal wirklich recht, der Siggi, seines Zeichens SPD-Vorsitzender. Blöd nur, dass München-Marienplatz, Frankfurt-Willy Brandt Platz, Stuttgart-Villa Reitzenstein oder New York-Times Square auch nicht wirklich das wahre Leben ist… Alles ist irgendwie stilisiert und lebensnah und trotzdem lebensunwirklichklich. Also: Wo ist das wahre Leben? Was ist das überhaupt? Irgendjemand eine Idee?

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Hermann Hesse – Bekenntnis

Bekenntnis

Holder Schein, an deine Spiele
Sieh mich willig hingegeben;
Andre haben Zwecke, Ziele,
Mir genügt es schon, zu leben.

Gleichnis will mir alles scheinen,
Was mir je die Sinne rührte,
Des Unendlichen und Einen,
Das ich stets lebendig spürte.

Solche Bilderschrift zu lesen,
Wird mir stets das Leben lohnen,
Denn das Ewige, das Wesen,
Weiß ich in mir selber wohnen.

Hallo,

was findet man nicht alles, wenn man nur sucht. Eigentlich suchte ich nach einem Gedicht, das irgendwie irgendetwas mit „Aufbruch“ (weil es einmal mehr so weit ist, aufzubrechen) oder vielleicht auch „Regen“ (nunja, es regnet) zu tun hat. Doch dann fand ich dieses Gedicht… ganz dem Titel des Gedichts „Bekenntnis“ verhaftet, bekenne ich, dass ich den Poeten Hesse weitaus mehr schätze als den Literaten. Warum? Weil der Poet Hesse verständlicher ist, prägnanter, sinnlicher und ein Meister des ja Poetischen ist. Zumindest für mich.

„Bekenntnis“ ist eine Lebensbejahung par excellence. Ja, wir denken, sinnieren gar das halbe Leben, aber sind doch nur Menschen, die leben wollen, uns treiben lassen wollen. Wir brauchen keine Ziele, auch wenn wir nach immer mehr streben (heute mehr als damals) um zu leben. Und das wollen wir ja alle, auf die ein oder andere Art und Weise. Oder?

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Weil ich ein Mädchen bin

Hallo!

Ja, weil ich ein Mädchen bin und dazu stehe, muss hier nun eine kleine Ausführung zum Thema „Diamanten-Kapitalismus“ geschrieben werden.

Schon als kleine Mädchen zeigt und diese schöne, funkelnde Welt wunderhübsche Barbies in rosa, mit tollen, glitzernden Krönchen, Ballkleidern und Schuhen, für die wir in späteren Jahren durchaus gerne morden würden.

Wir würde ja sowieso für recht viele Dinge morden. Für einen Tiffany Ring, den uns ein Prinz, natürlich auf dem weißen Pferd, vor einem Schlösschen überreicht, für einen Kuss von XX (bitte Namen des präferierten Schauspielers/Schwarms einsetzen), für eine Birkin-Bag, für… was weiß ich alles.

Wir übersehen dabei, dass materielle Werte weitaus weniger wichtig sind als die immateriellen. Gerade jetzt, in der vorweihnachtlichen Zeit bestürmen uns die Geschäfte mit Angeboten, Glitzer und Trara.

Im Radio wird seit einiger Zeit eine sehr berührende Werbung gesendet: Es geht um ein kleines Mädchen, das ihrem Vater eine Kiste zu Weihnachten schenkt. Ihr Vater öffnet sie, doch sie ist leer. Der Vater ist ungehalten und belehrt seine Tochter, dass sie doch wisse, dass man zu Weihnachten nicht Nichts verschenke. Darauf weint die Tochter und erklärt, dass sie die Kiste doch bis oben hin mit Küssen angefüllt habe…
Ja, wir übersehen, dass weniger manchmal mehr ist und es nicht auf den Preis, sondern den Herzens-Wert ankommt. Wir übersehen, dass Kleidung für 4-10€ pro Teil großes Leid für andere Menschen bedeutet. Wir übersehen, dass Outdoor-Bekleidung voll von Chemikalien und Öl ist. Wir übersehen das Leid in dieser Welt, in unserer Stadt, in unserem eigenen Leben.

Weil ich ein aufgeklärtes Mädchen in einer unaufgeklärten Welt bin und nicht länger darüber hinwegsehen kann und will, schreibe ich diesen Blog. Weil ich ein Mädchen bin, das in einem glitzernden Kapitalismus groß geworden ist, kann ich nur schwer aus meiner Haut. Und dennoch versuche ich mein bestes und hoffe, Dich/Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zum Nachdenken/zur Diskussion anzuregen.

Auf bald,
Ihre/Eure Allics