Lesestapelliste

Hallo,

endlich Osterzeit! Und endlich Zeit, meinen ziemlich hohen Lesestapel anzugehen. Was darauf liegt? Insbesondere Bücher von Autoren, die mir momentan gut gefallen; etwa Hemingway und Knausgard. Daneben noch ein Frankreich-Krimi, Weihnachtsüberreste und viel zu viele Englische Bücher aus den letzten Insel-Urlauben… Schande über mich!

Jedoch überwiegt die Freude, jetzt etwas Zeit und Muße zu haben, diesen Stapel anzugehen. Neugier und Erwartungen sind definitiv gute Begleiter, sich in diese Lesewelten zu begeben.

Und was ist jetzt konkret in diesem Lesestapel?

  • Hemingway – Fiesta
  • Knausgard – Spielen (wird gerade gelesen)
  • Knausgard – Leben
  • Walker – Reiner Wein
  • Díaz – Das kurze Leben des Oscar Wao
  • Lynch – Die Lügen des Locke Lamorra
  • Martin – The Blood King

… und noch einige mehr… aber das sind die wichtigsten für den Moment 😉

Mal schauen, wie weit ich in den nächsten zwei Wochen komme!

 

Alles Liebe und eine ruhige Karwoche,

Allics

Advertisements

Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte

Hallo,

Haruki Murakami? Ist das nicht der, der…? Ist das nicht der, der momentan so en vogue ist? Ja, genau der. Und genau den dachte ich, müsse ich nun auch einmal lesen, wenn schon so viele andere Blogger/innen über ihn schwärmen und sich in Begeisterung ergehen über Athmosphäre, die Dichte und überhaupt.

Nun muss ich gestehen: Ich bin kein Fan von Literatur, die sich auf irgendwelchen Bestseller-Listen wiederfinden oder immer und immer wieder besprochen werden. Aber irgendwie hat mich dann doch die Neugier gepackt – und vielleicht auch meine lang verloren geglaubte Begeisterung für Japan.

Wieso nun also Gefährliche Geliebte? Als Einstieg dachte ich mir, dass diese Buch aus dem Jahre 1992, auch aus Ermangelung der Verfügbarkeit des ersten Bandes von 1Q84 (dazu mehr beim Murakami-Kollektiv), eine gute Wahl sein könnte, wenn schon seine Majestät, Reich-Ranicki, auf dem Cover verkündet, dass er schon seit Jahren nicht mehr solch eine erotische Liebesszene gelesen habe…

Um was geht’s also? Es geht um Hajimoto, ein Einzelkind, das im Verlauf des Buches erwachsen wird und immer wiedermit Frauen in Berührung kommt, die mehr oder minder anziehend sind. Das ist das m.M.n. Kerngerüst. Dazu kommt Shimamoto, die ebenso ein Einzelkind ist. Zunächst Spiel- und Leidensgefährten, entwickeln die beiden eine erste, jugendliche Anziehung, die aber abrupt durch einen Schulwechsel Hajimes unterbunden wird. Im weiteren Verlauf erzählt Hajime, wie es ihm auf der Mittel- und später auf der Oberschule ergeht, wie er aufs College kommt, an der Uni zum demonstrierenden Studenten wird,… und ja, immer wieder geht es ihm auch um seine Beziehung zu Frauen, die alle recht unscheinbar sind, aber, wie er es ausdrückt, eine magnetische Wirkung auf ihn ausüben…

Ich möchte nicht allzu viel über den Inhalt verlieren, denn der ist doch recht stump zu erzählen. Das wesentliche an diesem Buch – und hierbei stimme ich mit anderen überein – lebt von der dichten Athmosphäre, die Murakami aufbaut. Man wird regelrecht eingefangen von dieser anonym-leeren Schilderung der japanischen Mittelschicht, die schwankt zwischen starren Reglements (selbes Haus, mit dem Zug nach Tokio, zwei bis drei Kinder, ein Haustier,…) und sexueller Freizügigkeit – mit der Hajime Izumi, seine erste Freundin, verletzt. Generell lebt dieses Buch durchaus auch von Gegensätzen, bzw. Anomalien: Izumi ist ein gefühlsbetontes junges Mädchen, das gegen die familiären Verhältnisse aufbegehren möchte und doch Gefangene dieser selbst bleibt und somit zu einer tragisch anmutenden Figur wird. Hajime im Gegenzug sucht (gezielt?) nach dem Unscheinbaren, dem nichts-sagenden, personifiziert in Shimamoto, der geheimnisvollen Freundin aus Kindertagen, der er hinterherträumt. Genau diese Shimamoto ist es, die m.M.n. so „japanisch“ ist: Kontrolliert, bescheiden, zurückhaltend, perfektionistisch und doch immer unnahbar…

 

Ob dieses Buch mir gefallen hat, weiß ich nicht so recht. Es ist in jedem Fall beeindruckend und lesenswert – aber ob dieser Hype, der bisweilen um Murakami gemacht wird, gerechtfertig ist? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Also lesen! 😉

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

 

Haruki Murakami, Gefährliche Geliebte, 2000, DuMont, etwa 8Euro.

Leben wir Kultur?

Hallo!

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Begriff „Kultur“. Es wird mir dabei immer klarer, dass dies alles andere als ein leichter Begriff ist. „Die“ Definition  gibt es nicht. Alleine der Duden schlägt fünf Deutungsmöglichkeiten vor…

Hier diejenigen, die recht plausibel sind – und dennoch viele Fragen aufwerfen.

[Kultur ist die …]

  1. Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung.
  2. Gesamtheit der von einer bestimmten Gemeinschaft auf einem bestimmten Gebiet während einer bestimmten Epoche geschaffenen, charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen.

[Quelle: Duden, Stand: 10.12.2012]

Kultur ist also alles, was den Menschen final von anderen Tieren unterscheidet: Sprache, Wissenschaft, Literatur, Musik, Kunst, … Der zweite Satz definiert Kultur weiterhin als raumzeitlich, lokal gebundenes Konstrukt eben genannter „Leistungen“.
Ist Kultur also losgelöst von zunächst lokalen, später globalen, Zusammenhängen zu betrachten? Gibt es keine Interdependenzen zwischen einzelnen Kulturen? Gibt es keine Entwicklung hin zu einer weltweiten Mainstreamkultur?

Ja, Kultur zu begreifen ist nicht einfach.Vor allem die immer wieder hochkochende Debatte um eine (deutsche) „Leitkultur“ zeigt, wie kontrovers dieses Konstrukt der Kultur ist.

 

In den nächsten Tagen und Wochen möchte ich mich mit Kultur, bzw. einigen Teildisziplinen wie etwa Literatur, Kunstkonsum oder auch Musik beschäftigen und fragen: Leben wir Kultur?

 

 

Bis dahin,
auf bald,
Ihre/Eure Allics

Alles, nur kein Plaisir!

Ja – ich weiß schon: es ist einige Tage her, dass ich geblogt habe. Mea culpa, mea maxima culpa! Deswegen mache ich trotzdem keinen Kniefall und beuge mich nicht vor einer virtuellen Menge 😉

Nun denn – was macht man als weibliches Wesen, das sich selbst als gläubige Fundamentalrationalistin beschreiben würde? Lesen!

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle eine Liste von zehn Büchern präsentiert, die angedacht waren zu lesen. De facto sind bis jetzt eineinhalb gelesen sowie ein Buch, das nicht auf der Liste stand, das ich aber heute kurz vorstellen möchte: Das schönste Wort der Welt von Margaret Mazzantini.

Dieses Buch war ein Geschenk einer guten Freundin, die mich des öfteren mit anspruchsvoller Gegenwartsliteratur versorgt, nur manchmal nicht ganz meinen Geschmack trifft… Nach längerer Lagerungsphase, beschloss ich, das Buch anzufangen und als Reiselektüre nach Florenz mitzunehmen.

Um wen oder was geht’s? Mazzantini erzählt die Geschichte von  Gemma, einer Frau mittleren Alters, die teilweise in der Gegenwart, teilweise in Rückblenden, die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens Revue passieren lässt. Gemma studierte Italienisch in Rom, verbrachte aber einige Zeit in Jugoslawien und lernte dort die Liebe, aber noch viel mehr die fast unmöglichen Leiden des Lebens kennen.

Jaja, die Leiden! Selten habe ich ein Buch gelesen, das so sehr auf das Leid fixiert war, das so sehr die Grausamkeiten von Mutter Natur, aber auch der menschlichen Natur zeigt. Man leidet die Entwicklung Gemmas in allen Einzelheiten mit, leidet mit all den kleinen Nebencharaktern, leidet, wenn sie sterben, leidet aber am meisten unter dem Zwang, dieses Buch zu Ende lesen zu wollen, in der verzweifelten Hoffnung, es möge doch noch positiv enden.
Mazzantini schafft es, den Leser zu fesseln, ihn in das Buch hinein versinken zu lassen. Es gibt wenige, die das so schaffen. Dennoch ist die Schonungslosigkeit und Verzweiflung, die aus jeder einzelnen Buchzeile spricht, manchmal fast nicht zu ertragen.

Das schönste Wort der Welt ist alles, nur kein Plaisir. Und trotzdem lege ich es jedem ans Herz, der eine starke Frau auf ihrem Leidensweg begleiten möchte und für sich selbst lernen will, dass jedes Leid irgendwie eine Auflösung erfährt…

 

Margaret Mazzantini, Das schönste Wort der Welt, 704 Seiten. DuMont Buchverlag, 2011. 12€ broschiert, 22,99€ gebunden.

 

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Schiller! Immer!

Hallo!

Nun, es ist an der Zeit, ein Relikt aus alter Zeit Ihnen/Euch, lieber Leser, in Erinnerung zu rufen. Kein anderes Stück der Weltliteratur ist, meiner Meinung nach, dermaßen wichtig und trifft in solcher Art und Weise den Nerv der Zeit. Sei es nun im Hinblick auf die sog. Arabellion oder auch auf unsere ureigenste westliche Gesellschaft, die so gar nicht frei und liberal ist. Schiller, einer der beiden großen Dichterfürsten aus Weimar, hat nach wie vor seine Berechtigung und ist es Wert, wieder und wieder gelesen zu werden. Immer!

Hier nun also…

Die Bürgschaft

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
„Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!“
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
„Die Stadt vom Tyrannen befreien!“
„Das sollst du am Kreuze bereuen.“

„Ich bin“, spricht jener, „zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn‘ ich, erwürgen.“

Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
„Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh‘ du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen.“

Und er kommt zum Freunde: „Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande.“

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel hinab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Des Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
„O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen.“

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde entrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

„Was wollt ihr?“ ruft er vor Schrecken bleich,
„Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!“
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
„Um des Freundes willen erbarmet euch!“
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.
„O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!“

Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
„Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.“

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

„Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet‘ er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.“

„Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut’ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!“

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
„Mich, Henker“, ruft er, „erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!“

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär‘;
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: „Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn –
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte!“

Bedingungslose Treue, Mut und der Drang nach Freiheit – das sind die Dinge, die Schiller wichtig sind, ihm aufrichtig am Herzen liegen. Diese Trias sollte heute mehr im Vordergrund stehen. Jeder sollte sich dieses epische Gedicht, das Hoffnung als Grundbedingung für das Handeln im Staat – für den Staat – betrachtet, als Leitsatz für sein eigenes Handeln ansehen. Dieses Gedicht, das spielerisch das Damon, das Volk (damon gr. für das Volk), dem Herrscher, der nicht umsonst Dyonis, in Anspielung auf Dyonisos, den Gott der unverhollenen Freuden, ergo einem Aspekt des Apoll, gegenübersetzt, ist immernoch gültig. Beziehen wir es in unser Handeln ein und erkennen: Weisheit vergeht nicht.

 

Auf bald,

Ihre/Eure Allics

Volksverblödung, 2. Teil

Hallo,

nachdem ich gestern kurzfristig meine Idee verwarf heute nun der versprochene Blogeintrag zum Thema Volksverblödung. Vor einiger Zeit lies ich mich bereits über schlechten Journalismus, sei es nun in Printmedien oder im TV (vgl. hierzu Sechs Gebote für besseren Journalismus), aus. Nun war ich gestern in einer mittelgroßen Stadt, wie es sie wohl zu hunderten in Deutschland gibt, unterwegs und kundschaftete die dortigen Bücherläden aus.

Die Feststellung, dass in einer Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern zwei Bücherläden und vier Gymnasien wenig sind, war ein erster kleiner Schock, der jedoch nicht verwundern sollte, bedenkt man die ausufernde Bedeutung von Amazon und Co. Der zweite Schock wurde durch die Auswahl und Gestaltung der Bücherläden hervorgerufen. Hieran möchte ich meine These der Volksverblödung zunächst aufzeigen.
Der eine Bücherladen, Teil einer Kette, war kein reiner Bücherladen, sondern vielmehr ein Konglomerat von Papeterie, Ram-, Spielwaren- und eben Bücherladen. Ging man in diesen hinein, so wurde man von Mängelexemplaren, Baumarke „Weltbild“, empfangen. Dahinter der obligatorische Haufen mit Spiegelbestsellern, der sich hauptsächlich aus den unsäglichen Shades of Grey, dem scheinbar unumgänglichen Simon Beckett, ein wenig Hera Lindt/Nora Roberts sowie etwas hochtrabenderer Literatur, wie bspw. Alex Capus, zusammensetzte. Nicht, dass das jetzt ein Einzelfall wäre. Egal, ob Stuttgart, München, Berlin oder Köln: die Buchauslage in Deutschland ist Schema F. Es liegen die üblichen Verdächtigen aus, die Spiegel und Amazon vorgeben und nebenbei bemerkt auch oftmals noch nahezu von identischen Covern gescmückt werden. In diesen Wochen eben die Shades of Grey, Ildikó von Kürthy, der neue Precht sowie jeder Menge George R. R. Martin. Das ist der erste Kritikpunkt. Der zweite, dass Bücher in einem Bücherladen wohl nichts selbstverständliches sind. Ein Bücherladen sollte kein Gemischtwarenladen sein, man hat am Beispiel Weltbild gesehen, wie das schiefgeht. Diese Läden sollten warm, einladend und v.a. voller Bücher sein (vgl. dazu Mrs. Minirobots Blog über Das Gefängnis der Bücher – lesenswert!).
Der andere Bücherladen von einem kleinen Einzelhändler betrieben war das Kontrastprogramm: hohe Bücherregale, individuelle Beratung durch Fachpersonal und nicht-Mainstream-Literatur. Ich möchte nicht verhehlen, dass es durchaus schwierig sein kann, sich in solche Bücherläden, die einen leicht angestaubten Eindruck hinterlassen, hineinzutrauen. Die Alternative sind jedoch konformistische Allerweltsbücherläden, wie sie die Bundesrepublik schon zur Genüge überschwemmen.

Mein Fazit: Wir, das Volk, lassen es zu, dass wir uns selbst entmündigen. Entmündigen durch die Algorithmen von Maschinen, durch die Bücherauswahl von bisweilen egozentrischen Journalistencliquen (nur ein kleiner Hint in Richtung des lächerlichen Feuilltonstreites zwischen FAZ und SZ), die uns erklären wollen, was gute Literatur ist, und durch uns selbst, weil wir nicht den Mut haben, neue Wege zu gehen, uns nicht aufraffen, Neues zu entdecken. Also auf!

Auf bald,

Ihre/Eure Allics