Zitat am Abend (01.11.2013)

Wir sind noch nicht mal an der Startlinie zur Informationsgesellschaft. Aber es gibt diese Sorge in den Industrieländern, ob sie die richtige Infrastruktur haben, das richtige Ausbildungssystem und den Unternehmergeist, der erforderlich ist, um bei diesem Rennen eine führende Rolle spielen zu können.

Bill Gates

Hallo,

muss man diese Sentenz großartig erklären? Nein. In Zeiten von #Neuland, NSA und Internet 3.0 ist es vielmehr wichtig zu erkennen, dass wir, die achso informierte Mediengesellschaft, nicht kompetent sind, nicht fähig, die uns dargebotenen Chancen zu nutzen und entstehende Problemfelder anzugehen. Dazu fehlt uns der (Wage-)Mut. Leider.

In diesem Sinn,
auf bald,
Ihre/Eure Allics

Anything goes?

Hallo,

jaja, schon interessant, was so alles in den Panorama- und Feuilltonteilen so angesprochen wird und doch nicht wirklich diskutiert wird…

Gesellschaftlich ist seit der #Aufschrei-Debatte eine um die andere Kuh durchs Dorf getrieben worden: Sei es der Fall Hoeneß, das Phänomen Merkel oder das Kartoffel-Kartell. In letzter Zeit fanden sich in den großen Zeitungen der bundesdeutschen Republik auch immer wieder Artikel über Daniel Cohn-Bendit und Äußerungen dessen aus den 1970ern über Pädophilie.

Diese Debatten zeigen, dass das Anything-goes-Prinzip, das gerne zitiert wird, bei weitem nicht funktionstüchtig ist: Die Aufschrei-Debatte demonstrierte, dass wir Frauen bei weitem nicht immer die gleichen Chancen haben, dass wir nicht gleichberechtigt sind und immer noch zu oft als das schwache Geschlecht deklariert werden. Der erste Aufschrei war groß, die Medien voll von Debatten, wütenden Kommentaren und entrüsteten Zwischenrufen. Doch jetzt sind die Wogen wieder geglätteter und die gesellschaftliche Debatte eingeschlafen. Wir müssen und fragen: Sind wir heute, in einer post-feministischen Gesellschaft weiter? Haben wir erreicht, was wir erreichen wollten? Sind wir frei? Sind wir gleich?

Die Debatte um Cohn-Bendit wiederum wirft die Frage auf, ob anything überhaupt gehen darf. Welche moralischen Leitsätze haben heute noch Gültigkeit, welche beeinflussen uns? Religiöse Leitsätze haben Deutschland geprägt und haben in unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung Eingang gefunden. Gleichzeitig wurden in den letzten Wochen diese Leitsätze in Frage gestellt – ein Vorgang, der „normal“ ist, denn Recht ist immer ein Produkt seiner Zeit. Und doch ist die Frage zu stellen, welche Leitsätze unsere Gesellschaft prägen sollen und müssen. Wo sind Grenzen? Wo Freiheiten? Was ist wichtig? Was unwichtig?

Ich denke, dass die Frage nach einer gesellschaftlichen Debatte durchaus angemessen ist. Wir sollten und müssen uns vor allem fragen: Wie soll Deutschland im 21.Jahrhundert aussehen?

 

In diesem Sinne,
auf bald,
Ihre/Eure Allics

Zitat am Abend (30.01.2013)

Am zuverlässigsten unterscheiden sich die einzelnen Fernsehprogramme noch immer durch den Wetterbericht.

Woody Allen

Hallo!

Darf man Woody Allen Recht geben? Das ist wohl Ansichtssache. Aber angesichts des Endes von Roche und Böhmermann, der Nominierung des Dschungelcamps für den Grimme-Preis und der neuen Beitragsgebühren für Funk und Fernsehen, sicherlich ein interessantes Statement…

Ein schöner Denkanstoß!

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Breitenwirkung

Hallo!

Es ist durchaus belustigend zu sehen, was passiert, wenn man in einem sozialen Netzwerk einen Link zu einem Blog online stellt… Die Leserzahlen steigen sprunghaft, unerwartet-erwartet an und man selbst? Man ist irritiert.

Jaja – die Öffentlichkeit eines Blogs ist vorhersehbar und einkalkuliert. Wieso würden wir sonst schreiben, wenn wir nicht wüssten, dass es JEDE und JEDER lesen kann? Aber: Der Mensch ist vergesslich. Und deswegen ist es dann doch unerwartet, wenn man „aus dem Nichts“ mehr Klicks bekommt, als man erwartet/gewohnt ist.

Ich frage mich, in wie weit wir diese Öffentlichkeit, diese Breitenwirkung wirklich wollen. Es ist notwendig, dass wir uns fragen, ob wir unsere persönliche, evtl. sogar private Meinung der Welt nachhaltig (denn das Internet vergisst nichts) mitteilen wollen.
Eine andere, legitime Frage ist die nach dem Sinn und Nutzen des Blogschreibens, Twitterns, sich in sozialen Netzwerken anpreisen. Was wollen wir? Wieso machen wir das? Denken wir über Sinn und Unsinn dieses, unseres Tuns nach? Kalkulieren wir die mögliche, teilweise unbeabsichtigte Breitenwirkung ein?

Wiederum eine Frage, die allerdings etwas abschweift, ist folgende: Warum brauchen wir so viele Blogs über Bücher, Gesellschaftskritik, Musikkritik, Philosophie und Ähnliches? Ist es nicht bezeichnend, dass WordPress jeden neuen Blog zunächst mit just another WordPress Blog unterschreibt?

 

So, dies also meine Fragen zu Wochenbeginn.
Ich wünsche eine schöne Woche!

Auf bald,
Ihre/Eure Allics

Seligsprechung aus perfiden Motiven?

Ist Deutschland rechts? Wiederholt sich die deutsche Geschichte? Diese Fragen stellten sich mir, als ich in der Online-Ausgabe des Ciceros den Artikel „Seligsprechung aus perfiden Motiven“ las.

Um was geht’s? Es geht um die „Seligsprechung“ des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder im Bezug auf seine „Jahrhundertreform“, der Agenda 2010, sowie ein gewisses Bashing der damaligen sozialdemokratisch geführten Regierung durch die führenden Printmedien, wie etwa der F.A.Z., der Die Welt oder dem Verlagshaus Springer.

Frank A. Meyer analysiert die sog. Hetzkampagnen der Leitmedien damals wie heute und zieht ein erschreckendes Fazit: die führenden Journale verglichen die Eurokrise mit der „Notsituation“ des deutschen Kaiserreichs während des 1. Weltkrieges und dem Aufruf des letzten Kaisers, Wilhelm II, einen Burgfrieden, also dass die Parteien sich ohne Murren und Klagen dem Willen des Kaisers unterordnen sollten, zu halten.

Was hat dies mit den Sozialdemokraten zu tun? Was hat das mit Gerhard Schröder zu tun? Der Artikel ist zugegebenermaßen verwirrend, die Quintessens ist einfach: unsere Printmedien sind schizophren. Schizophren, weil sie die Sozialdemokratie einerseits für ihre der Kanzlerin entgegengesetzte Meinung in Sachen Finanz- und Eurokrise, in Grund und Boden verdammen und gleichzeitig die Reformbemühungen des Kanzlers Schöder als Paradebeispiel für gelungene Sanierungspolitik, die auch in anderen Teilen Europas notwendig ist, über Gebühr loben.
Meyer zeigt weiterhin auf, wie schrill diese Kritik geübt wird: da wird geschrieben, dass die Politik der SPD der Kanzlerin schade, sei es nun innen- wie außenpolitisch, dass ein Burgfrieden her müsse, dass die SPD destruktive Politik leisten würde – das schreiben so ziemlich alle Medien, quer durch die Bank.

Ich frage mich, was soll diese Art von Journalismus? Bis jetzt ging ich davon aus, dass wir eine anti-sozialdemokratische Politik, wie sie bspw. der erste deutsche Kanzler (des Kaiserreiches) Otto von Bismarck in den 1880er Jahren mit den sog. Sozialistengesetzen betrieb, überwunden hätten. Weiterhin sehe ich es als Pflicht einer Opposition an, andere Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, als diejenigen, die von einer Regierung beschritten werden. Die Frage, ob die Arbeit der SPD nun gut oder schlecht ist, ist in diesem Falle nicht so relevant wie die Tatsache, dass jede Demokratie eine aktive, konstruktive und v.a. lebendige Opposition braucht um funktionsfähig zu sein. Ein Burgfrieden wäre aus meiner Sicht, falsch.
Der Artikel im Cicero hat mich wachgerüttel. Es ist interessant zu sehen, dass unsere ach so unabhängigen Medien doch nur unwesentlich besser zu sein scheinen als so manch ausländisches Medium.

 

Auf bald,

Ihre/Eure Allics

All the crazy shit I did tonight…

Hallo!

Jaja… die heutige Überschrift werden wohl einige als Liedzeile aus David Guettas Memories erkannt haben. Wie ich auf dieses Lied komme? Ich las eben bei der taz einen Artikel mit dem netten Titel Abenteurer in Uniform (zum Artikel geht’s hier). Stutzig machte mich jedoch der Untertitel „“Bravo“ wirbt für Bundeswehr“. Wie jetzt?, dachte ich mir, die Bravo wirbt aus welchen Grüden für die Bundeswehr (BW)? Was habe ich denn jetzt schon wieder nicht mitbekommen?

Anscheinend eine ganze Menge! Der Artikel klärte mich auf: seit nunmehr einem Jahr bestünde eine Kooperation zwischen BW und Bravo mti dem Ziel Jugendliche zwischen 12 und 19, also die Zielgruppe der Bravo, für die BW zu gewinnen. Zu diesem Zwecke wurden die BW Adventure Camps, die auf Sardinien bzw. in den Bertesgadener Alpen stattfinden, entwickelt.

Nun, wie stehe ich dazu? Zunächst bin ich fassungslos – nicht über die Tatsache, dass die Bundeswehr wirbt, sondern darüber, dass man dies in einer Zeitschrift tut, die für alles andere nur nicht demokratische Werte, Seriosität oder Anstand steht, und nebenbei bemerkt Kinder (12-jährige sind nach meinem Verständnis nach wie vor Kinder) auf sich aufmerksam machen will. Hier muss sich die Bundeswehr die Frage stellen lassen, ob dies angemessen ist. Andererseits finde ich es gut, dass die BW Präsenz zeigt, nicht nur in Printmedien, sondern auch auf youtube (hier das Video auf dem Kanal der Bravo) oder auf facebook, denn deren Reichweite ist größer als jeder anderen Zeitung .
Und dennoch: die Art und Weise, wie die BW sich bemüht, Coolness und Modernität zu vermitteln, ist unterirdisch. Die Jugendsprache, die benutzt wird, ist dermaßen gestelzt und vorgeschrieben, als dass sie nicht nicht affektiert und abgehoben erscheinen kann – die Grenze zwischen Amusement und Lächerlichkeit ist fließend.
Daneben stelle ich mir auch die Frage, ab wann diese anbiedernden Anwerbeversuche eine gewisse Grenze überschreiten. Ein Post auf der facebook- Seite hat meine besondere Aufmerksamkeit erregt. Seht selbst! Hier wird Spott auf Kosten eines jungen Mannes betrieben, der nicht einem anscheinend immernoch exisitierenden, bestimmten Männerbild entspricht. Was sagt der Kleidungsstil eines Menschen über seinen Mut aus? Ich ärgere mich sehr über diesen Post und ärgere mich so nur noch mehr über eine meiner Meinung nach unangemessenen Werbecampagne der Bundeswehr.

Trotz allem, auf bald,

Ihre/Eure Allics

P.S.: Achja – David Guettas Memories unterlegen übrigens den youtube-Spot. Ich finde es denkwürdig, dieses Lied mit diesem Inhalt zu verknüpfen…

P.P.S.: Wer noch mehr über diese Kampagne und die Kritik durch bspw. terre des hommes erfahren möchte, kann dies hier tun.

Volksverblödung, 2. Teil

Hallo,

nachdem ich gestern kurzfristig meine Idee verwarf heute nun der versprochene Blogeintrag zum Thema Volksverblödung. Vor einiger Zeit lies ich mich bereits über schlechten Journalismus, sei es nun in Printmedien oder im TV (vgl. hierzu Sechs Gebote für besseren Journalismus), aus. Nun war ich gestern in einer mittelgroßen Stadt, wie es sie wohl zu hunderten in Deutschland gibt, unterwegs und kundschaftete die dortigen Bücherläden aus.

Die Feststellung, dass in einer Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern zwei Bücherläden und vier Gymnasien wenig sind, war ein erster kleiner Schock, der jedoch nicht verwundern sollte, bedenkt man die ausufernde Bedeutung von Amazon und Co. Der zweite Schock wurde durch die Auswahl und Gestaltung der Bücherläden hervorgerufen. Hieran möchte ich meine These der Volksverblödung zunächst aufzeigen.
Der eine Bücherladen, Teil einer Kette, war kein reiner Bücherladen, sondern vielmehr ein Konglomerat von Papeterie, Ram-, Spielwaren- und eben Bücherladen. Ging man in diesen hinein, so wurde man von Mängelexemplaren, Baumarke „Weltbild“, empfangen. Dahinter der obligatorische Haufen mit Spiegelbestsellern, der sich hauptsächlich aus den unsäglichen Shades of Grey, dem scheinbar unumgänglichen Simon Beckett, ein wenig Hera Lindt/Nora Roberts sowie etwas hochtrabenderer Literatur, wie bspw. Alex Capus, zusammensetzte. Nicht, dass das jetzt ein Einzelfall wäre. Egal, ob Stuttgart, München, Berlin oder Köln: die Buchauslage in Deutschland ist Schema F. Es liegen die üblichen Verdächtigen aus, die Spiegel und Amazon vorgeben und nebenbei bemerkt auch oftmals noch nahezu von identischen Covern gescmückt werden. In diesen Wochen eben die Shades of Grey, Ildikó von Kürthy, der neue Precht sowie jeder Menge George R. R. Martin. Das ist der erste Kritikpunkt. Der zweite, dass Bücher in einem Bücherladen wohl nichts selbstverständliches sind. Ein Bücherladen sollte kein Gemischtwarenladen sein, man hat am Beispiel Weltbild gesehen, wie das schiefgeht. Diese Läden sollten warm, einladend und v.a. voller Bücher sein (vgl. dazu Mrs. Minirobots Blog über Das Gefängnis der Bücher – lesenswert!).
Der andere Bücherladen von einem kleinen Einzelhändler betrieben war das Kontrastprogramm: hohe Bücherregale, individuelle Beratung durch Fachpersonal und nicht-Mainstream-Literatur. Ich möchte nicht verhehlen, dass es durchaus schwierig sein kann, sich in solche Bücherläden, die einen leicht angestaubten Eindruck hinterlassen, hineinzutrauen. Die Alternative sind jedoch konformistische Allerweltsbücherläden, wie sie die Bundesrepublik schon zur Genüge überschwemmen.

Mein Fazit: Wir, das Volk, lassen es zu, dass wir uns selbst entmündigen. Entmündigen durch die Algorithmen von Maschinen, durch die Bücherauswahl von bisweilen egozentrischen Journalistencliquen (nur ein kleiner Hint in Richtung des lächerlichen Feuilltonstreites zwischen FAZ und SZ), die uns erklären wollen, was gute Literatur ist, und durch uns selbst, weil wir nicht den Mut haben, neue Wege zu gehen, uns nicht aufraffen, Neues zu entdecken. Also auf!

Auf bald,

Ihre/Eure Allics